7. März 2016

DIY-Feminismus? Persönliches... und selbst gemachtes

Da, ich habe es gesagt, das schlimme F-Wort: Feminismus. Ein Wort, das immernoch und, wie es scheint, immer mehr zu einem Schimpfwort wird. Grundlos, aber effektiv um die Forderung nach Gleichberechtigung, die es noch immer nicht gibt, abzutun und abzuwerten. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, und schon Caitlin Moran hat es in ihrem humorvollen Buch "How to be a woman" simpel erklärt: Findest Du, Männer und Frauen sollten in allen Dingen gleichberechtigt sein? Ja? Herzlichen Glückwunsch, Du bist FeministIn!

Was hat aber jetzt Feminismus und Gleichberechtigung mit Do It Yourself zu tun? Ist nicht Handarbeiten, wie Häkeln, Stricken, Nähen und Sticken etwas ganz fürchterlich rückständiges und anti-feministisches? In der Kunstgeschichte habe ich zum Beispiel gelernt: Handarbeiten wurde zu früheren Zeiten mit Tugend der Frauen gleichgesetzt und abgebildet, und wenn etwa eine Frau auf einer Genre-Szene der niederländischen Malerei ihr Stickzeug zur Seite legt, bedeutet das übersetzt und gedeutet: Diese arme Frau verfällt der Sünde und vielleicht gar außer- oder vorehelichem Geschlechtsverkehr! Ich denke gerade auch an Truhen voll bestickter Wäsche, die in mühevoller Handarbeit von braven Bürgerstöchtern als Aussteuer für die baldige Ehe hergestellt wurde. Hat alles nicht so sehr den Anschein von Frauenrechten und Gleichberechtigung...

jan vermeer van delft herr und dame beim wein
Hier wird schon Wein getrunken... ganz gefährlich!


Aber ist das wirklich so? Hat sich nicht unsere Rezeption von Handarbeiten geändert? Ist Handarbeit nicht außerdem mehr als Stricken und Häkeln? Ich finde, Handarbeit und "Empowerment" gehen Hand in Hand. Und nicht erst seit gestern können Handarbeiten eine Möglichkeit für Frauen sein, ihr eigenes Geld zu verdienen und von Heirat und Verdienst des Mannes unabhängig zu sein. Das erfordert aber auch, dass wir Handarbeiten als hochwertige Erzeugnisse ansehen, die eine angemessene Bezahlung verdienen.

Ist Handarbeit "unemanzipatorisch"? Ein entschiedenes Nein! Und wir können viel mehr als Stricken und Sticken. Wir handwerken, sägen, bohren, hämmern, bauen, wir schreiben, filmen, malen, illustrieren und nehmen die Dinge sprichwörtlich selbst in die Hand. Handarbeit ist selbstbestimmend. Und wir können viel bewegen mit Projekten, die wir ins Leben rufen. Ob das eine Strickgruppe ist, die sich zum gemütlichen Plausch trifft und nebenbei Mützen, Schals und Handschuhe für Obdachlose strickt, oder eine Frau, die mit Handarbeiten ein eigenes Unternehmen gründet, mit tugendhaftem Zuhause sitzen hat das nicht viel gemein. Und das ist gut so! Feminismus und DIY gemeinsam sollen auf meinem Blog unbedingt mehr Raum bekommen.

DIY-Charity


Ich selbst habe in den letzten Wochen viel an einem DIY-Projekt einer anderen Art "gebastelt": Zusammen mit meinem Partner in Nigeria habe ich ein Charity-Projekt gestartet, um Frauen zu helfen, die in einem Flüchtlingscamp nahe Abuja leben. Die Menschen, die dort leben, "IDPs" (=internally displaced persons), haben durch den Terror der radikalen Boko Haram Gruppe im Norden Nigerias ihr Zuhause verloren. Das Camp und seine Bewohner sind weitgehend auf Unterstützung von außerhalb angewiesen. Mein Partner hat das Camp mehrfach besucht und mit den Frauen dort gesprochen, um sicherzugehen, dass wir auch Hilfe leisten (können), die benötigt und gewünscht wird. Etwas, das ein großes Problem darstellt, ist Monatshygiene. Die Frauen haben kaum oder keinen Zugang zu geeigneten Hygieneprodukten, müssen sich mit Lumpen oder Stücken alter Kleidungsstücke behelfen. So kam, inspiriert vom Projekt "The Cup", das Schulmädchen in Kenia mit Menstruationstassen versorgt, die Idee, den Frauen im IDP Camp mit Menstassen zu helfen. In Vorabgesprächen zeigten sie sich interessiert, diese auszuprobieren, und bestätigten uns damit, unsere Idee weiter zu verfolgen. Jetzt haben wir einen Fundraiser gestartet, um die dringend benötigten Spenden zu sammeln, um das Projekt zu finanzieren.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Arbeit ist, derartiges zu verwirklichen. Glaubt mir, es ist sogar mehr. Unser "Tassen-Projekt" und mein übliches Arbeitspensum unter einen Hut zu bekommen, war nicht immer einfach in den letzten Wochen, und dann kam häufig auch noch das Leben dazwischen. Im Januar ist mein geliebter Kater schwer erkrankt, und trotz intensiver Pflege am 24. Februar gestorben. Das hat mich in den letzten Wochen sehr bedrückt und sehr geschlaucht. Und ich vermisse ihn wahnsinnig. Ein wenig hilft jetzt die viele Arbeit.

Kater Mika EKH Katze
Mein Kater mit dem unrühmlichen Spitznamen "Pupsi"... wegen häufiger Flatulenzen als Katzenkind :)


Morgen, passend zum internationalen Frauentag, werde ich ausführlich hier über unser Vorhaben berichten. Wer jetzt schon neugierig ist, kann gerne zu unserer Spendenseite klicken! Dort gibt es ausführliche Infos auf englisch und deutsch, sowie natürlich die Möglichkeit, uns darin zu unterstützen. Für heute muss ich etwas früher Feierabend machen. Ein wenig DIY-Entspannung gehört zum Leben schließlich auch dazu!

Bis morgen!

Herzlichst,
Klara

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