20. Februar 2016

Hoch die Tassen!

Eigentlich hat dieses Thema ja auf den ersten Blick nicht so sehr viel mit meinem Blog zu tun, aber dann irgendwie doch - heißt er schließlich "cherchez la femme!" Und um ein großartiges Produkt für Frauen handelt es sich hier, das ich einfach weiter empfehlen muss! Und zwar: Menstruationstassen!

Viele werden sich immer noch fragen: Was bitte ist das? Denn auch wenn es die Tassen schon sehr lange gibt, meines Wissens wurden sie in den 1930ern erfunden, sind sie der breiten Öffentlichkeit nach wie vor nicht sehr bekannt. Das ändert sich zum Glück nach und nach, und zwar vor allem über Mundpropaganda, denn viele Frauen, die die Tassen ausprobieren, sind so glücklich damit, dass sie gerne davon erzählen. Und ich finde, es ist auch an der Zeit, die Menstruation nicht (mehr) als etwas "schmutziges" oder gar etwas, wofür man sich schämen müsste, zu sehen. Sie ist ein ganz natürlicher Vorgang im Körper, über den ohne Scheu und Scham geredet werden kann.

Eine Menstruationstasse also ist ein etwa kegelförmiges, tatsächlich tassenartiges bzw. becherförmiges Teil, meist aus Silikon oder medizinischem Kunststoff, mittlerweile seltener aus Latex, das das Menstruationsblut auffangen soll. Die Tasse wird mit der Öffnung nach oben in die Vagina eingeführt, wo sie durch einen leichten Unterdruck sicher an ihrem Platz gehalten wird. Das Blut sammelt sich in der Tasse, und wird nach einigen Stunden einfach entleert, ausgewaschen und wieder eingesetzt. Das erstmal in Kürze, damit man weiß, worum es geht.

Menstruationstassen Meluna
Menstruationstassen von MeLuna mit verschiedenen "Rückholhilfen" und in bonbon-bunten Farben :)

  Auf der Suche nach einer guten Menstruationstasse bin ich auf MeLuna gestoßen. Die Tassen "made in Germany" sind latexfrei (wichtig für Allergikerinnen!) und aus hochwertigem medizinischem Kunststoff, lange haltbar (5-10 Jahre!), nicht allergen, und es gibt sie in vielen bunten Farben, verschiedenen Größen und "Härtegraden" und mit verschiedenen "Rückholhilfen". Die Website von MeLuna hat mich sofort angesprochen, und man findet dort sehr ausführliche Informationen darüber, was eine Menstruationstasse ist, wo die Unterschiede liegen, wie man sie benutzt und und und, das alles mit ansprechendem Layout, wirklich sympathisch.Besonders gut gefallen hat mir auch der sehr hilfreiche Größenberater, der mir schnell geholfen hat, die richtige Tasse zu finden. Auch die verschiedenen "Griffe" haben mir gut gefallen und ich habe mich für meine erste Tasse für eine violette Größe M mit Ring entschieden.

Es gibt jedoch noch viele andere Hersteller, wie Lunacup, Ladycup, Divacup, Rubycup, Lunette und einige mehr. Die Entscheidung ist also nicht unbedingt leicht :)


Vorteile der Menstruationstassen


Die Tassen haben gegenüber Tampons und Binden entscheidende Vorteile:

- Die Tasse ist natürlich wiederverwendbar und hält bei guter Pflege 5 bis 10 Jahre! Ich mag gar nicht ausrechnen, wieviele Tampons ich in dieser Zeit verbrauchen würde... so entlastet sie die Umwelt auch gewaltig und spart jede Menge Müll.

- Eine Cup ist bisher noch nie mit dem berüchtigten TSS in Verbindung gebracht worden, das bei Tamponverwendung auftreten kann und lebensbedrohlich ist.


- Keine Probleme mehr, auf öffentlichen Toiletten oder bei Freunden/Verwandten etc. Päckchen mit eingewickelten Tampons oder Binden entsorgen zu müssen (was vielen Frauen peinlich ist)

- Die Meluna muss viel seltener gewechselt werden als Tampons oder Binden. Selbst an den stärkeren Tagen reicht es bei mir in der Regel aus, sie morgens und abends zu entleeren. So muss ich unterwegs gar nicht mehr mit Tampons hantieren, sondern kann das stets ganz in Ruhe zuhause machen.


- Tampons trocknen die Vagina aus, da sie nicht nur Blut sondern generell alle Feuchtigkeit aufsaugen. Viele Frauen haben daher Probleme mit einer gestörten Scheidenflora und im schlimmsten Fall auch Infektionen. Die Tasse dagegen kann sogar schon "auf Verdacht" eingesetzt werden, was man mit Tampons nie machen sollte. D.h. wenn man weiß, dass man wohl innerhalb der nächsten Stunden die Tage bekommen wird, kann man die Tasse schonmal einsetzen und vermeidet Malheurs, besonders wenn man unterwegs ist.


- Auch die Tasse ist bei richtiger Anwendung nicht zu spüren und ist wegen der größeren Aufnahmefähigkeit sicherer. Tampons werden schnell mal "undicht"...

- Man kann mit der Meluna problemlos schwimmen gehen, ich habs erprobt - und viele andere auch!

- Wenn man sich mit der Anwendung vertraut gemacht hat, geht das Wechseln ganz einfach und schnell und schmerzlos - während gerade gegen Ende der Periode das Tamponwechseln durchaus auch schmerzhaft sein kann, wenn man ihn quasi fast "trocken" einführen oder entfernen muss.

- Bei der Verwendung von Tampons bleiben immer winzige Fasern des Materials zurück, meist gebleichte Watte. Und es ist natürlich nicht auszuschließen, dass Tampons Rückstände von Bleichmitteln etc. enthalten, die ganz bestimmt nicht in den Körper gehören...

- Und nicht zuletzt spart man eine Menge Geld. Die MeLuna ist sogar besonders günstig, ich habe mit Versand ca. 17€ gezahlt (andere Fabrikate können auch um die 30€ kosten). Das klingt vielleicht erstmal viel, wenn man jedoch bedenkt, dass man die nächsten Jahre keine Tampons und/oder Binden mehr kaufen muss, rechnet sich diese Investition sehr schnell. Die Meluna gibt es in den gängigsten Größen mittlerweils sogar beim dm-Markt.

- Und was ich auch positiv finde: Ich habe das Gefühl, noch vertrauter mit meinem Körper zu sein, und damit, was er so macht. Man bekommt erst einen Eindruck, wieviel Blut und Gewebe man da regelmäßig verliert. Klingt vielleicht etwas makaber, aber ich weiß einfach gern, was in meinem Körper so passiert :)

Bedenken? - Ausgeräumt!

Viele Frauen haben erstmal Bedenken, wenn sie von dem Prinzip der Menstruationstasse hören, finden es eklig oder haben keine Idee, wie sie damit zurecht kommen sollen. Ich helfe gerne, solche Bedenken auszuräumen.
Ich finde es wirklich nicht schwierig, die Tasse zu handhaben. Das Einsetzen und Entfernen (dazu gleich mehr) erfordert am Anfang sicher etwas Übung, wenn man sich aber daran gewöhnt und den "Dreh raus" hat, geht das ganz einfach. Ich fand auch Tampons am Anfang ganz furchtbar und kam gar nicht zurecht, als ich aber dann rausgefunden hatte, wies am besten geht, wollte ich sie nicht mehr missen. Jetzt gebe ich meine Tasse nicht mehr her.
Ich finde auch das Entleeren des Blutes nicht unangenehmer oder schlimmer, als Tampons oder Binden zu entsorgen, im Gegenteil, es ist nichts Ekliges daran, alles ganz natürlich. Außerdem hat man keine benutzten Tampons oder Binden mehr im Mülleimer liegen. Und auch wenn die Tasse auf den ersten Blick groß ausschauen mag, man spürt sie tatsächlich nicht. Wenn man sich mit der Anwendung vertraut gemacht hat, ist die Tasse sehr sicher und "dicht", ein Malheur ist mir erst einmal passiert, und da war ich vermutlich nicht sorgfältig genug beim Einsetzen. Und die Tasse ist durchaus hygienisch, denn am Ende der Menstruation und bevor ich sie das nächste Mal wieder verwende, koche ich sie einfach einige Minuten in Wasser aus. Wer möchte, kann auch eine spezielle Desinfektionslösung verwenden, die bei den Herstellern der Tassen meist auch erhältlich ist, Auskochen reicht aber eigentlich aus. Gelegentlich kann man seine Tasse auch mit milder Seife auswaschen.

menstruationstasse reinigung
Es gibt auch Becher für die Tassen, in denen man sie in einer speziellen Reinigungsflüssigkeit desinfizieren kann. Auskochen reicht aber auch!

Viele Frauen haben auch Angst, dass sie die Tasse auf einer öffentlichen Toilette wechseln müssen, und da mit der Tasse zum Waschbecken gehen, um sie auszuwaschen. Wer das nicht möchte, kann die Tasse auch in die Toilette entleeren und sie mit etwas Klopapier auswischen und wieder einsetzen, so muss man seine Kabine nicht verlassen. Manche Frauen haben auch eine kleine Flasche mit Wasser in der Handtasche. Da man die Tasse aber wirklich sehr viel seltener wechseln muss, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Wechseln unterwegs nicht nötig ist, wenn man sich nicht gerade auf einer längeren Reise befindet.
Die Tasse muss natürlich auch nicht bei jedem Toilettengang entfernt werden, wie man das von Tampons ja auch kennt. Ich finde es allerdings sehr viel hygienischer mit der Tasse, denn salopp gesagt: Mich hat es schon immer irgendwie gestört, dass man ja doch immer auf das Tampon-Rückholbändchen pinkelt. Oder mal versehentlich dran zieht und der Tampon verrutscht. Solche Probleme gibts jetzt nicht mehr.
Übrigens finde ich mein Tässchen auch gerade nachts toll. Es ist noch nie was ausgelaufen, die Tasse schließt ja am Rand dicht ab und bleibt durch den leichten Unterdruck am Platz. Ich stelle mir das so vor, dass im Liegen evtl. etwas Inhalt wieder zurück in die Scheide fließt, beim Aufstehen wird das ja aber wieder von der Tasse aufgefangen. Und weil sie viel mehr Flüssigkeit aufnehmen kann, ist sie Tampons eindeutig überlegen. Denn mit denen hatte ich eher das Problem, dass sie am Morgen schon ganz vollgesogen waren und "undicht" geworden sind. Mit der Tasse gabs das noch nie.


Menstruationstasse falten
Verschiedene Falttechniken für das Einführen der Menstruationstasse: C-fold, "punch down" und S-fold


Die Handhabung der Menstruationstasse

Ich hatte vielleicht etwas weniger Startschwierigkeiten, weil ich auch schonmal eine Weile mit einem Diaphragma verhütet habe, da bestehen schon gewisse Ähnlichkeiten. Aber ein wenig üben musste ich schon :)
Zum Einsetzen sucht man sich eine bequeme Körperstellung, ähnlich, wie wenn man einen Tampon einführt. Ich komme am besten in der Hocke zurecht, andere stellen vielleicht ein Bein auf, einfach versuchen, was am besten geht. Mittlerweile kann ich die Tasse sogar stehend in der Dusche wechseln, mit einem Bein auf dem Wannenrand :) Die Tasse wird dann etwas zusammengedrückt - ich "falte" sie immer zu einem C - und dann mit der Öffnung voran und nach oben in die Vagina eingeführt. Es gibt verschiedene "Falttechniken", die in der Anleitung, die in der Regel jeder Tasse beiliegt, sowie auf den Webseiten der Hersteller beschrieben und gezeigt werden. Manche schieben die Tasse recht weit nach oben, mir ist es angenehm, wenn sie weiter unten sitzt, so dass ich das untere Ende mit dem Ring bzw. der Kugel noch gut ertasten kann.
In der Vagina soll die Tasse jetzt "aufplöppen" und sich entfalten, das ist ganz ganz wichtig, sonst ist sie undicht! Ich fahre immer mit einem Finger nochmal am Rand entlang um zu überprüfen, ob sie richtig sitzt, wenn sie nicht ganz aufgeht, hilft es meist, mit dem Finger ein bißchen zu drücken oder nochmal ein wenig zu schieben. Es bildet sich ein leichter Unterdruck, dadurch bleibt die Cup an ihrem Platz und kann nicht herausrutschen. Wenn das alles geklappt hat, muss man viele Stunden nicht mehr dran denken :)
Zum Entfernen gehe ich auch in die Hocke, ich finde es dann ganz leicht. Dann greife ich die Unterseite der Tasse, meine hat dort leichte "Griffrillen", die das festhalten leichter machen, drücke sie dort ein wenig zusammen, was den Unterdruck löst, und ziehe ganz behutsam, während ich mit den Beckenbodenmuskeln ein bißchen "schiebe" (also wie "pressen"). Falls sich der Unterdruck nicht lösen möchte, kann man mit einem Finger den Rand der Cup vorsichtig etwas nach innen drücken. Dann sollte es ein leicht schmatzendes Geräusch geben, und die Cup kann herausgenommen werden. Ausleeren, und unter fließendem Wasser auswaschen, oder mit Toilettenpapier/Kosmetiktüchern o.ä. auswischen (Feuchttücher sind eher weniger geeignet). Ich nehme gern lauwarmes Wasser, dann ist das Einsetzen angenehmer, weil die Tasse nicht so kalt ist. Andere finden es einfacher, die Tasse kalt auszuwaschen und wieder einzusetzen, weil das Material durch die Kälte etwas fester wird, und die Tasse leichter aufploppt. Ganz einfach, oder?

Menstruationstasse sitzt richtig
Der richtige Sitz der Menstruationstasse
 

Ich benutze meine Tasse jetzt seit bald 4 Jahren und ich möchte sie nicht mehr missen! Am Anfang, als ich noch nicht ganz sicher war, habe ich zusätzlich Slipeinlagen verwendet, für alle Fälle, aber es hat gleich prima geklappt. Wenn sie nichts zu tun hat, darf sie in ihrem kleinen Aufbewahrungsbeutelchen, das es dazu gibt, ausruhen. Mittlerweile habe ich eine "MeLuna Sport" mit Kugel und goldenem Glitzer, weil mein Beckenboden durch Pilates doch besser trainiert ist, als ich dachte. Bei dieser ist das Material etwas fester, wodurch sie noch leichter aufploppt.

Durch die Tasse ist meine Periode wirklich sehr viel angenehmer geworden, ich muss viel weniger darüber nachdenken und fühle mich den ganzen Tag und auch nachts sehr sicher.  Bei guter Pflege, das heißt bei mir sorgfältiges Auswaschen nach dem Ende meiner Tage und regelmäßiges Auskochen zu Anfang und Ende der Periode, bleibt sie hygienisch sauber und riecht auch nicht. Unbedingt zu empfehlen!

Übrigens arbeite ich gerade an einer Charity-Aktion, die die Tassen einschließt, denn ich finde, gerade Frauen, die sonst keinen einfachen Zugang zu Hygieneprodukten haben, können von den Tassen sehr profitieren. Noch befinden wir uns in der Planungsphase, sobald es - hoffentlich bald - Neuigkeiten gibt, werde ich berichten!

Also, hoch die Tassen!

Herzlichst,
Klara


(P.S. Diesen Text habe ich in leicht anderer Form im Frühjahr 2014 schon einmal anderswo veröffentlicht, für diesen Beitrag jetzt noch einmal überarbeitet und aktualisiert.)

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