6. Februar 2016

Fabulous Hats! The modern girl's guide to hatmaking

Über die Jahre haben sich in meinem Fundus einige Bücher zu den Themen "Do it yourself", Häkeln, Nähen und auch Hutmacherei angesammelt. Die Qualität dieser Bücher schwankt mitunter stark, und es gibt so viele, dass es mitunter schwer fällt, sich zu entscheiden - zumal schöne Ausgaben oft nicht ganz billig sind. Deswegen möchte ich gern meine Erfahrungen teilen und euch eine Reihe meiner Bücher vorstellen. Meiner Meinung nach findet man die schönsten Anleitungsbücher im englischsprachigen Raum, und die Kollegen in Großbritannien und den USA scheinen generell etwas "weiter" zu sein, außerdem gibt es oft richtig schöne Ausgaben, die man gar nicht mehr aus der Hand legen will. Und keine Angst, so "sophisticated" ist das Englisch oft nicht, mit mittleren Sprachkenntnissen kommt man schon sehr weit, und viele hilfreiche Abbildungen tun oft ein übriges.

Eines meiner liebsten Bücher möchte ich heute vorstellen: "The Modern Girl's Guide to Hatmaking" von Mary Jane Baxter.

modern girls guide to hatmaking buch


Ich habe dieses Buch vor knapp 3 Jahren gekauft und viele Anregungen darin gefunden, anderes will noch ausprobiert werden. Der Inhalt ist übersichtlich aufgebaut, und alles ist liebevoll mit vielen Abbildungen und Photos versehen. Nach einer Einleitung und einigen Worten über die Autorin selbst, geht es ans Eingemachte.

modern girls guide to hatmaking inhalt

Der Inhalt - Einführung


Es gibt eine sehr interessante Übersicht über verschiedene Arten von Hüten und Kopfbedeckungen und über den Hut im Wandel der Zeit. Eine Liste wichtiger und einfacher Zutaten und Hilfsmittel ist als Vorbereitung sehr hilfreich, und hilft, Verletzungen zu verhindern - wer sich schon einmal beim Versuch, eine Nadel durch ein widerspenstiges Stück Stoff zu drücken, das Öhr in den Finger gerammt hat, wird wissen, was ich meine, und einen Fingerhut fortan nicht mehr als lästiges Etwas ansehen :)  Es gibt auch einige Worte zu spezielleren Hutmacher-Zutaten wie Buckram, Hutblöcke, Hutnetz und Schleier oder spezielle Fascinator Bases.
Besonders hilfreich waren für mich auch die erläuterten Grundtechniken, wie verschiedene Handstiche, oder wie man Hutdraht richtig miteinander verbindet. Dabei ist alles mit gezeichneten Anleitungen und bisweilen Photos versehen, so dass man gut nachvollziehen kann, wie gearbeitet wird. Es gibt Anweisungen zum Messen der Hutgröße, und auch eine einfache Anleitung, wie man mit Hutblöcken arbeitet, alles sehr gut nachzuvollziehen. Man erfährt, wie man verschiedene Befestigungen für seinen Hut oder Kopfschmuck wählt und anbringt, wie Kämmchen oder Hutgummi, und auch einen kurzen Styleguide hat Mary Jane Baxter angeschlossen mit Tips, wie man einen für Erscheinung, Anlass und Frisur passenden Hut wählt.

hutmacher techniken


Sehr gut gefallen mir auch die Kapitel zu Verzierungen wie Bändern, Knöpfen oder Broschen, und da ich Stoffblüten über alles liebe, hat mich natürlich auch das ausführliche Kapitel zu verschiedenen Blüten sehr interessiert. Ein paar Techniken kannte ich schon, wie etwa die Verwendung von Bondaweb bzw. Vliesofix oder runde Organzablüten, aber andere Techniken waren ganz neu für mich, so etwa Blüten aus Baumwoll-Organdy oder ihre Technik von Blüten mit Drahtrahmen. Dieses Kapitel hätte ja wegen mir noch umfangreicher sein können, aber die Ideen und Anleitungen sind sehr schön!

stoffblumen selber machen hutmacher

Die Hüte und anderer Kopfschmuck


Jetzt geht es endlich mit den Hüten und Kopschmuck los! Um die Sache so einfach wie möglich zu machen, hat die Autorin die Projekte nach Schwierigkeit in Kapitel eingeteilt. Im ersten Kapitel erwarten uns einfachere Projekte, die man mit ein wenig Geschick und Vorkenntnissen mit einfachen Grundtechniken meistern kann. Es gibt drei Arten Haarbänder von "vintage" bis festlich und zwei einfache, aber sehr effektvolle Hütchen bzw. Fascinator. Und wer hätte gedacht, dass die Pappe von Cornflakes-Packungen zu einem feschen Headpiece werden kann? Aber psst!

headpiece selber machen
Eines der Headpieces, effektvoll, aber gar nicht so schwer und schnell gemacht!

Dabei müssen die Materialien gar nicht immer teuer sein, ein schlichtes, elastisches Haarband im Fifties-Stil wird aus einem ausgedienten T-Shirt gemacht, und für so manches tun es Stoffreste. Ein auffälliger Fascinator wird reich mit Paillettenteilen und Fasanenfedern geschmückt, ist aber dabei einfach zu machen, und von den "Glitzy Glam Headbands" mit Paillettenband kann man gleich eine ganze Kollektion machen, so schön und fix gemacht sind sie. Man muss also kein Hutmacher-Meister sein, um einige schöne Teile sein eigen zu nennen!

vintage hut selber machen


In Kapitel 2 geht es schon mehr zur Sache, für diese Projekte sollte man mit den Basis-Techniken gut vertraut sein, und einigermaßen versiert im Handnähen sein. Aber es lohnt sich! Es gibt ein schickes Headpiece mit Crinoline und Paillettenteil, einen "very vintage" Halbhut mit Spitzenblüten im Vintage-Stil, Haarkämme mit Blüten, ein fesches Fifties-Style-Hütchen mit Spitze und XL-Stoffblumen, einen verspielten Haarreifen mit Organdy-Blumen und ein ganz besonderes Headpiece, das nicht umsonst "Marie Antoinette" heißt.

Kapitel 3 entführt dann in die Welt der "Millinery Magic". Für diese Projekte muss man schon ein wenig mehr Können aufweisen und kann zeigen, was man gelernt hat. Meiner Meinung nach finden sich die schönsten Projekte in diesem Kapitel, einige sind aber doch sehr anspruchsvoll und/oder verlangen nach besonderen und bisweilen nicht ganz billigen Materialien, deswegen habe ich von diesen Stücken bisher nur eines in einer leichten Abwandlung versucht. Besonders schön finde ich den "Button Hat", für den man einen passenden Hutblock benötigt.

Hüte selber machen

Manche der hier vorgestellten Hüte werden auch aus fertig gekauften Filz-Rohlingen gemacht, wie etwa ein ganz besonderer Sommer-Filzhut mit Spitzendetails und eine Cloche mit verzierter Krempe. Dazu werden diese Rohlinge mit Hilfe von Dampf geformt, auch hier sind Hutblöcke oder Hutmacher-Köpfe aus Holz nötig. Leider sind die nicht gerade billig und nicht immer einfach zu bekommen, auf ebay findet man aber bisweilen ganz gute Angebote.

Hutkrempe Spitze Detail

Was zumindest eine ganze Weile sehr im Trend lag, waren Mini-Zylinder, besonders im Zuge der Burlesque-Welle gab es die überall. Mary Jane Baxter hat eine Anleitung hierfür auch in ihr Buch aufgenommen, da sie, wie sie anmerkt, beinahe in jedem Hutmacher-Workshop, den sie geleitet hat, danach gefragt wurde. Diese Mini-Zylinder werden aus Buckram gefertigt und mit Hutdraht verstärkt, dann mit Stoff überzogen und nach Wunsch verziert. Nicht ganz einfach zu machen, aber die Anleitung ist gut verständlich und es gibt auch hier viele Zeichnungen, so dass man, so man will, auch dieses Stück meistern sollte.

Mini Zylinder selber machen

Zum Abschluß gibt es noch ein paar "Cut & Sew"-Modelle, also Hüte und Kopfbedeckungen, die aus Schnitteilen genäht werden, die Schwierigkeit variiert hier, der Fellhut im Russland-Stil sollte recht einfach nachzumachen sein, wird aber durch plüschiges Kunstfell zum auffälligen Designerteil. Auch eine klassische Baskenmütze fehlt nicht, hier ganz britisch aus Tweed genäht, und eine genähte Cloche entführt in die 1920er Jahre. Ein genähter Filzhut mit großer Krempe wird aufwendig verziert und besonders schön und hinreißend romantisch ist der riesige Sonnenhut mit feiner Spitze.

sonnenhut selber machen

Den Abschluß bilden ein paar Ideen, wie man seine Kunstwerke hübsch und effektvoll aufbewahren und präsentieren kann, wenn man sie gerade nicht auf dem Kopf trägt. Für Selbermacher auch sehr hilfreich ist eine Liste von Bezugsquellen, denn gerade Hutmacher-Zubehör ist insbesondere in Deutschland und Österreich nicht immer einfach zu bekommen, und oft lohnt es sich, die Teile in Großbritannien zu bestellen. Viele Anbieter haben Online-Shops, und die Versandkosten sind meist nicht allzu hoch. Ein wenig googeln lohnt sich, gerade mit englischen Stichwörtern!

Zum Schluß gibt es die Vorlagen und Schnitteile, die man für die verschiedenen Projekte benötigt. Diese sind auch in Originalgröße abgebildet, so dass sie einfach kopiert oder abgepaust werden können.

Insgesamt ein wunderschönes Buch mit vielen Anregungen und Ideen für Kopfschmuck und Hüte vielerlei Art. Für manche braucht man etwas Mut, andere, wie die Haarbänder, kann man gleich in vielfacher Ausführung machen, um für verschiedene Outfits etwas Passendes zu haben. Mir gefällt vor allem auch die liebevolle und detailreiche Aufmachung, so wird es auch zum Genuß, nur darin zu blättern und sich inspirieren zu lassen, auch wenn man gerade keins der Projekte nachmachen will. Die Qualität des Buches ist sehr gut, das Papier ist schön fest und der Paperback-Einband stabil, so dass man lange Freude daran hat.

Leider, so scheint es, ist das Buch momentan "out of print", ist aber noch gebraucht zu bekommen, am einfachsten über Amazon, vielleicht auch bei ebay. Ich kann es jedenfalls sehr empfehlen, wenn man Lust hat, mehr über Hutmacherei zu erfahren und lernen möchte, Hüte und Kopfschmuck von einfach bis hin zum Masterpiece zu machen.

Ein Klick auf die Bildchen führt Dich direkt zu Amazon:

  

Es gibt von Mary Jane Baxter noch ein weiteres Buch mit Ideen nicht nur für den Kopf, sondern auch Schmuck, Broschen, Taschen und vieles mehr, dem ich mich bald in einem eigenen Post widmen möchte. Dieses gibts sogar auf deutsch :)

Herzlichst,
Klara


P.S. Hier noch ein paar Bilder von Projekten, die ich nach Anleitungen oder Anregungen aus diesem Buch gemacht habe. Meine kleine Schwester durfte modeln, und wir hatten sichtlich Spaß :)

headpiece selbst gemacht polka dots schleife
Meine Version des "Teardrop Emergency", mit Samtschleife und Federn anstatt Stoffblume

headpiece fascinator tuell bluete
Eine Variante bezogen mit Pepita-Stoff mit rüschiger Tüllblüte

haarreif selbst machen samt
Für diesen Haarreife habe ich mich von Mary Jane Baxter inspirieren lassen, meiner ist schlichter und ohne Schleier und damit auch im Alltag tragbar, mit Rosetten aus Samtband anstatt Ripsband. Wie man diese schönen Rosetten macht, findet man im Buch! War zuerst etwas friemelig, aber hat man den Dreh heraus, geht es ganz einfach.


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