30. März 2014

Marry me!

Als ich mit Klara angefangen habe, hatte ich wenig Ahnung, wohin sie sich entwickeln würde - und ich mich mit ihr. Seit etwa einem Jahr zeichnet sich eines immer mehr ab: Klaras Blüten sind als Brautschmuck besonders gefragt. Und es macht mir viel Freude, Brautschmuck in vielerlei Variationen für unglaublich nette KundInnen anzufertigen. Und nicht nur Haarschmuck ist gefragt: Für Ulrike habe ich kürzlich viele kleine Rosen aus feinem Seidenchiffon in der schönen Farbe "rotflieder" genäht, mit denen ein maßgeschneidertes Brautkleid im 20er-Jahre-Stil besetzt werden wird. Für Dana habe ich zusätzlich zu einem narzissengelben Blütenhaarschmuck mit "french flowers" und kleinem Schleierchen eine passende Blütenbrosche gemacht. Jil hat sich ein Set aus Fascinator, Tasche, Schuhclips und Ringkissen gewünscht - mit Polka Dots! Und für Antje war es ein ganzes Set aus einem zartblauen Pillbox-Hütchen aus Dupionseide, mit Schleierchen und Kanzashi, passenden Kanzashi-Schuhclips und Kanzashi für Bräutigam und Trauzeugen, die die Floristin in die Boutonnièren eingearbeitet hat. Mein Anspruch an all die kleinen Schätze ist eigentlich ganz einfach: Sie müssen so schön sein, dass ich sie am liebsten selbst behalten würde :)



Seit einiger Zeit gab es immer wieder Anfragen nach passenden Bändern für Brautgürtel, oder für Blüten "ohne Haarclip" zum Aufnähen auf einen solchen. Also habe ich mich daran gemacht, der Nachfrage entgegen zu kommen und eine kleine Kollektion Brautgürtel zu entwerfen und umzusetzen - und ich freue mich, dass sie auf Anhieb beliebt waren! Also tüftle ich weiter, für neue Ideen für neue Gürtel - nicht nur für Bräute tragbar übrigens. Auch zu anderen besonderen Anlässen verleiht ein Blütengürtel das "besondere Etwas".



Sehr schön finde ich, wenn der Gürtel andere Farben der Hochzeit wieder aufnimmt, das kann der Blumenschmuck sein oder andere Dekorationselemente, der Brautstrauß oder auch das Hemd des Liebsten. Und der Trend geht weg von "Ganz in Weiß": Auch und gerade kräftige Farben sind bei Brautgürteln beliebt. Und Sabine hat sich den Gürtel klassisch-schön gewünscht: Eine schwarze Rose auf schwarzem Band, zum schlichten, weißen Etuikleid fürs Standesamt.

Blütenkranz aus kleinen Lackblümchen - alles handgemacht


Ich wünsche mir, noch ganz viele Bräute und Bräutigame mit kleinen und größeren Schätzen für ihren ganz besonderen Tag ausstatten zu dürfen. Über Anfragen freue ich mich immer, und ich nehme mir gerne viel Zeit, ausführlich zu beraten, und auch - gern gemeinsam - Ideen zu entwickeln, damit am Ende alles perfekt passt.



Und noch eines ist mir wichtig, mal deutlich zu sagen: Heiraten bedeutet für mich eine Verbindung zwischen zwei Liebenden, egal welchen Geschlechts. "Gleichgeschlechtliche Ehe" ist ein nach wie vor aktuelles und leider auch nach wie vor umstrittenes Thema, und mir scheint leider, eine Einigung ist noch lange nicht überall in Sicht. Dabei sollte es doch kein Problem sein. Mein Standpunkt dazu ist so einfach wie klar: Niemand hat das Recht, über das Glück anderer Menschen zu entscheiden. Und deren Lieben, Leiden und Privatleben geht keinen Außenstehenden etwas an. Ich würde mich freuen, auch in Zukunft viele glückliche Bräute und Bräutigame ausstatten zu dürfen -ganz egal, in welcher "Konstellation"!

Herzlichst,
Klara

1. März 2014

Stoff-Welten. Und Würste.

Das Wort "Wurst" auf schwäbisch auszusprechen ist nicht leicht. Das "s" wird zum "sch", während das "r" irgendwo hinten am Gaumen halb verschluckt wird... mittlerweile kanns mein Liebster aber wirklich gut. "Wurscht" gibt es seit einer Weile auch in meiner Heimatstadt im Süden Deutschlands jede Menge - aber nicht zum Essen. Die Tübinger Textilkünstlerin Alraune (Stefanie Alraune Siebert) hat in der Haigerlocher Unterstadt ihre "Wundersame Metzgerei" eröffnet und lädt sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr zum Schauen ein.

Haigerloch ist eine etwas merkwürdige Stadt. Ich darf das sagen, ich habe dort die ersten 18 Jahre meines Lebens verbracht. Aufgewachsen bin ich mitten im ehemals jüdischen Viertel "Im Haag". Die mittlerweile wieder als Museum geöffnete ehemalige Synagoge war damals geschlossen und verrammelt, und als Kind habe ich mir immer gewünscht, darin herumstöbern zu können. Das Gebäude diente einst verschiedensten Zwecken, ich erinnere mich an Erzählungen über eine kleine Textilfabrik, diverse Lager, einen kleinen Lebensmittelladen und sogar ein Kino, in dem mein Opa als junger Mann als Filmvorführer gejobbt hatte. Besonders faszinierend und eigenartig schön fand ich schon damals den alten jüdischen Friedhof mit seinen teils verwitterten Grabsteinen aus Sandstein. Oben am Eingang stehen zwei schiefe Reihen kleiner Steine, deren Inschriften längst unleserlich geworden sind, und als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dass die kleinen Gräber Kindern gehören... was vermutlich nicht stimmt, mich aber heute noch schauern läßt.

jüdischer Friedhof Haigerloch
Der jüdische Friedhof in Haigerloch

Haigerloch ist klein, verwinkelt, voller Geschichte, voller wildem Flieder, und irgendwie düster-morbide - besonders in der Unterstadt, in die im Winter kaum ein Sonnenstrahl dringt. Aber es hat eine besondere Atmosphäre. Vielleicht hat es daher auch Alraune hierher gezogen? Sie und ihr Mann haben das geschichtsträchtige "Großbayerhaus" gekauft, dessen Fassade, die über und über mit barocken Engeln und Heiligen bemalt ist (vermutlich vom Barockmaler Meinrad von Ow) mich schon immer fasziniert hat. Und jetzt konnte ich endlich mal hinein! Es ist wie erwartet: Verwinkelt, eng, gemütlich, mit knarrenden Böden und winzigen Fenstern und niedrigen Decken. Und jetzt beherbergt es einen Teil von Alraunes Welt...



Meine Eltern haben mir zuerst davon erzählt, und mein Papa war völlig fasziniert von den verrückten Stoffwelten, die er auch ein wenig von "hinter den Kulissen" erleben durfte, denn er hat einen Teil der Elektroinstallationen ausgeführt und dabei auch mit dem Künstlerpaar geplaudert. Und als er mir davon erzählte, hab ich mich erinnert: Vor einigen Jahren habe ich schon einmal einige von Alraunes Werken bewundert, in den Schaufenstern des KaDeWe in Berlin. Und es war wunderbar...

Die wundersame Metzgerei der Alraune


So habe ich denn auch eines Sonntags Alraunes wundersame Metzgerei besucht. Wundersam, das ist sie. Am Eingang kann sich jeder Besucher aus einem großen Stapel alter Hüte einen für die Begehung der Ausstellung aussuchen - stilecht dekoriert mit Wurst, damit man sich besser ins Interieur einfügt. Besonders gefallen hat mir dann der "Fühltisch"! Denn natürlich darf man all die wundersamen Gebilde und Figuren nicht anfassen und anbratzen... daher hat Alraune einige Ausstellungsstückchen auf Tellern arrangiert, und diese darf man anfassen, beriechen, befühlen, begucken. "Wurscht" aus Stoff, Austern aus Stoff, alles aus Stoff. Für mich von besonderem Reiz, denn ich mag das haptische Erlebnis besonders, und in den meisten Ausstellungen ist das ja immer versagt.

Alraune Ausstellung Wurst Klavier


In den winkligen und hutzeligen Zimmerchen des uralten Hauses wandere ich jetzt durch eine Welt aus Stoff. Und Füllwatte. Alraune muss Lastwagen voll Füllwatte verwenden. Ich bewundere eine ganze Gesellschaft beim Weißwurstwettessen - aus Stoff, alles. Auch das Obst, die Weißwürste und sogar das Klavier - mit Tasten aus Würsten. Einsicht in Alraunes "Privaträume" gewährt sie auch: Das pompös-liebliche Schlafzimmer, an dessen Fenster Unmengen von Ballettschuhen baumeln, mag ich besonders - nur liegt im Bett nicht die Künstlerin, denn die ist gerade von einer riesigen Boa verschlungen worden.

Alraune Textilkünstlerin Ausstellung in Haigerloch


Herzstück der Ausstellung ist natürlich die Metzgerei. Jedes Stück Wurst, der Fleischwolf, der Metzger, die Verkäuferin, ein Schweinskopf und eine Kalbsmaske sind allesamt genäht. Und ich beneide Alraune besonders um die vielen ausgefallenen Stoffe, die sie zu verrückten und schrägen Sachen verarbeiten kann - wo ich mir schon so oft in diversen Stoffläden beim Anblick und Befühlen ausgefallener Stoffe gedacht habe, ich würde so gern einfach ein Stückchen davon haben, damit ich es immer wieder angucken und befühlen kann... und mache es natürlich nicht, denn dann wäre ich schon längst in Stoffen ertrunken... Brokat wird zu Paprikalyoner, es gibt Wurst mit Gesicht, und ein eigenartiges, schwarz-glänzendes geprägtes Stöffchen ist perfekt als Haut für einen Ring Schwarzwurst geeignet. Und die Details! Es gibt so vieles zu entdecken, meistens im Kleinen, und manchmal mit makaber-bösem Unterton. Außerdem mag ich die Fingerschnecken und die schimmernden Austern. Meinen Wursthut gebe ich am Ende mit Bedauern wieder ab.

Textilkünstlerin Alraune in der Metzgerei
Alraune in der Metzgerei


Mittlerweile hat Alraune weitere Häuser in Haigerloch erworben, unter anderem das alte Gasthaus "Schwanen" direkt am Flüßchen Eyach. Leider steht dort nämlich vieles leer, und es wäre unendlich schade, wenn diese seltsamen alten Häuser verkommen würden. Daher hoffe ich, dass Alraune der Haigerlocher Unterstadt wieder mehr Leben einhaucht. Und wer durch ihre wundersam-verrückten Stoffwelten gestöbert hat, steigt vielleicht danach die 149 Stufen (ich habe sie als Kind mehrfach gezählt) zum alten Schloß hinauf und genießt die Aussicht auf diese merkwürdige Stadt... ein Besuch lohnt sich übrigens vor allem im Frühling, wenn überall der wilde Flieder in zartem Lila erblüht.

Herzlichst,
Klara

Haigerloch Schloss Flieder