21. November 2013

Reden wir über Körper...

Ja, ich weiß, das Thema läßt mich zur Zeit kaum los. Und das Thema ist unerschöpflich. Reden wir über Körper...

Heute morgen bin ich über einen Facebook-Post gestolpert. "Kaum zu glauben, die sah ja mal gut aus!" hieß es da, zusammen mit einem Photo einer jungen Frau. Ich konnte mir nicht viel drunter vorstellen, was und wie das gemeint war, und las die Kommentare. Ergebnis: Es ging um ein Alternative-Model, dass sich wohl kürzlich umfangreichen "schönheits"chirurgischen Massnahmen unterzogen hat: Mehr Brüste, vollere Lippen, neue Nase. Und ein gefundenes Fressen für viele Leute: Ganz schnell war man sich einig: Die junge Frau sieht ja jetzt ziemlich sch*** aus, wer wolle so ein Plastikweibchen, und überhaupt, stritten sich zwei Kerle, fühlen sich falsche Brüste nun anders an oder nicht? Andererseits wolle "mann" ja auch was zu gucken haben. Und so weiter.
Man kann über plastische Chirurgie denken, wie man will. Ich halte persönlich nichts davon, mit wenigen Ausnahmen. Ich halte persönlich aber auch nichts davon, sich permament in negativer Weise und öffentlich über Körper anderer Menschen auszulassen. Denn, so denke ich mir, solange es all diesen negativen "Body Talk" gibt, solange werden sich auch Menschen zweifelhaften Prozeduren bis hin zu OPs hinreißen lassen, um einem vermeintlichen Ideal (besser) zu entsprechen.

Warum hören wir nicht endlich damit auf? Hören wir doch endlich damit auf, über Körper und Aussehen anderer zu urteilen. Und hören wir doch endlich damit auf, über uns selbst zu urteilen. Wir verwenden Unmengen Energie, uns über Speckröllchen, Augenringe Dehnungstreifen, Cellulite und was weiß ich nicht noch alles auszulassen. Der eine ist zu dick, der nächste zu dünn, der dritte zu blond und der vierte hat zu dunkle Haut. Stop!



Fällen wir eine Entscheidung: Schluß mit negativem Reden über Aussehen und Körper. Stop negative body talk (das Englische ist hier einfach kerniger) Schluß damit bei anderen - und bei uns selbst.

Das ist nicht immer einfach, aber ich arbeite daran. Wir sind darauf konditioniert, andere zu bewerten. Aber jedes Mal, wenn mir wieder ein Gedanke kommt, wie: "Die hat aber dünne Beine!" halte ich inne - und höre damit auf. Oder nehme bewußt etwas an dem anderen wahr, das mir gefällt. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, spricht andere darauf an, wenn sie negativ reden. Und spricht mit anderen über das Thema.



Was mir manchmal noch schwerer fällt, ist, bei mir selbst damit aufzuhören. Mir ist schon von klein auf beigebracht worden, dass ich meinen Körper hassen soll. Dass er nicht in Ordnung ist, wie er ist. Dass er diesen und jenen Makel hat. Meine Oma hat mich einmal getröstet, indem sie mir gesagt hat, dass sie findet, dass gerade die kleinen Makel jemanden erst interessant machen. Aber warum reden wir überhaupt von Makeln? Wer sagt, was ein Makel ist, und was nicht? Warum sind meine Dehnungsstreifen Makel, wenn ich sie selbst gar nicht schlimm finde? Die Werbung sagt mir aber, dass sie häßlich sind, und dass es eine Creme dafür gibt. Warum ist meine Cellulite ein Makel, wenn sie doch ganz natürlich ist? Weil die Werbung sagt, dass sie häßlich ist, und es eine teure Creme dafür gibt. Warum sind meine Fältchen ein Makel, wenn sie doch einfach ein natürliches Zeichen des Älterwerdens sind? Weil die Werbung mir sagt, dass alte Menschen häßlich sind, und es eine noch teurere Creme dafür gibt. Unendlich viele "Makel" werden uns eingeredet, nur weil jemand Profit machen will. Cellulite war früher mal überhaupt kein Problem und galt als völlig normal. Bis eine Kosmetikfirma auf die Idee kam, Geld mit Anti-Cellulite-Mitteln machen zu wollen. Fortan galt sie als etwas ganz Furchtbares. Regelmäßig werden neue Stellen des Körpers zu "Problemstellen" erklärt, die man mit Mittelchen und notfalls Skalpellen bekämpfen muss. Da gibt es "Cankles" und zu knubbelige Knie, mal ist der Hintern zu dick, dann wieder zu flach, und der, wie ich finde, bedenklichste "Trend" sind "Labioplastiken".

Laut verschiedener Studien finden sich heute bereits 10jährige Kinder zu dick und/oder geben als größte Angst an, zuzunehmen. Unzählige Kinder machen bereits regelmäßig Diäten. Und viele Mädchen wünschen sich heutzutage zum 18. Geburtstag statt einem Auto eine Brustvergrößerung...

Ich wünsche mir, in einer Welt zu leben, in der jede/r so aussehen kann, wie sie/er möchte. In der niemand wegen seines Aussehens benachteiligt, gehänselt und beleidigt wird. In der wieder Vielfalt herrscht statt Stereotype. Ein Schritt dahin ist, mit negativen Worten aufzuhören. Ersetze sie, wenn Du möchtest, durch positive Worte. Nur fang damit an. Jetzt!

Herzlichst,
Klara

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Ein Blog, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, unterstützt mich sehr dabei, ein positives Körpergefühl zu entwickeln. "Dances with fat" propagiert den Grundsatz von "Health at every size" (Gesundheit bei jeder Größe). Sehr zu empfehlen!

Kommentare:

  1. Hast du gewusst, dass 90% der weiblichen Weltbevölkerung Cellulitis hat? Weshalb wird etwas, was alle haben, als schlecht verurteilt??
    Es wird Zeit, dass wir darüber nachdenken, und etwas verändern!
    Danke für deinen Post!
    Herzlichst
    yase

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    1. Weil man noch mehr Geld mit etwas machen kann, das fast alle haben? Die meisten dieser "Problemzonen" existieren doch nur aus Profitgier... und die typische "Frauenzeitschrift" ist eins der besten Mittel, diese Botschaften zu verbreiten... ach, das Thema ist wirklich endlos, fürchte ich.
      Ganz herzliche Grüße,
      Klara

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  2. Toller Post, schön dass es endlich mal jemanden gibt, der das ausspricht was ich, oder viele denken. Problemzonen un oder her, ganz ehrlich, ich finde jeder sollte so sein dürfen wie er ist. Oft sind es die Medien die uns oder der jüngeren Generation einreden, dass mega dünn sein, angesagt und sexy ist. Ich finde es auch ganz furchtbar...
    Du hast mich übrigens als neue Leserin gewonnen :)
    Alles Liebe Donna

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    1. Liebe Donna,
      hab herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich freu mich, dass es immer mehr Leute gibt, die ähnlich oder genau so denken und das auch sagen. Herzlich Willkommen! :)
      Liebe Grüße,
      Klara

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