31. Oktober 2013

Der olle Karl...

Manchmal weiß ich nicht, ob es sich lohnt, sich aufzuregen. Aber DAS beschäftigt mich jetzt doch zu lange, um ruhig zu bleiben.
Karl Lagerfeld hat sich mal wieder abfällig über dicke Frauen geäußert. Bei weitem nicht zum ersten Mal, da ist der gute Karl ein Wiederholungstäter. Neu ist aber, dass ihn jetzt eine Vereinigung deswegen angezeigt hat. Die Präsidentin von "Schön, rund, sexy - und ich stehe dazu", Betty Aubrière wird in sämtlichen Onlinezeitungen zitiert: "Die Beleidigungen von bekannten Persönlichkeiten müssen aufhören." Lagerfeld hatte in einer Sendung im französischen Fernsehen gesagt, niemand wolle runde Frauen auf den Laufstegen sehen. Das stimmt nicht ganz, Herr Lagerfeld. Immer mehr Menschen wollen "Plus Size" sehen, und zwar wirklich "Plus", auch wenn in der Modewelt oft schon Größe 40 als Übergröße gilt, und neulich habe ich sogar eine Größe 38 durch "XL" gekennzeichnet gesehen. (Verrückt!) Aber ich freue mich, dass Models wie Tess Munster, die wirklich "richtig plus" ist, zunehmend sichtbar werden. Ich freue mich, dass Schauspielerinnen wie Jennifer Lawrence offen über den Schlankheitsdruck in Hollywood sprechen und sich ausdrücklich davon distanzieren. Und sogar die New York-Fashion Week zeigt in diesem Jahr ertsmals eine Plus-Kollektion auf dem Laufsteg.

Tess Munster


Betty Aubriere hat Recht: Diskriminierende und diffamierende Äußerungen gegen dicke Menschen müssen endlich aufhören. Besonders fatal ist es, wenn Prominente sich so äußern, denn leider springen zu viele Menschen auf deren Karren.

Lagerfeld hat aber noch etwas viel verwerflicheres gesagt: "Das Loch in den Sozialkassen kommt auch von Krankheiten, die sich zu dicke Leute eingefangen haben."
Und hier hat der Karl eben auch Unrecht. Ich kenne keine Studie, die derartiges beweist. Ich kenne aber mehrere Studien, zumeist übrigens aus den USA, denen eine "Obesity epidemic" nachgesagt wird, die zu dem Schluß gekommen sind, dass das Gewicht eines Menschen nichts über seine Gesundheit aussagt. Maßgeblich sind Verhaltens- und Ernährungsweisen. Leider fühlen sich sehr viele Menschen dazu berufen, von der Körperfülle auf eben jene zu schließen und davon auszugehen: Dicke Menschen essen ständig Fast Food und Schokolade und liegen nur zuhause auf der Couch und haben keine Disziplin. Falsch. Es gibt sehr viele dicke Menschen, die einen sehr gesunden Lebensstil pflegen, sich regelmäßig bewegen und kein Fast Food essen. (Und selbst wenn sie es tun, geht es nur sie selbst etwas an.) Dicke Menschen, die einen gesunden Lebenswandel haben, können ebenso gesund sein, wie dünne. Dicke Menschen mit gesundem Lebenswandel sind gesünder als dünne Menschen, die täglich Chips und Pommes essen und sich kaum bewegen, aber das "Glück" haben, trotzdem schlank zu bleiben. Nur müssen die Dünnen sich nicht rechtfertigen. Wenn ein dicker Mensch es wagt, in der Öffentlichkeit etwas zu essen, erntet er oder sie dumme Blicke, böse Blicke und gemeine Kommentare. Wenn ein dünner Mensch drei Bigmacs isst und einen Liter Cola dazu trinkt, ist das ok.
Außerdem kommen diese Studien zu dem Schluß, dass die steigenden Kosten für die Krankenversorgung NICHTS mit dem Gewicht oder dem BMI zu tun haben. Überhaupt ist der BMI schon seit langem als unzulänglich festgestellt worden, um eine verlässliche Aussage über Körper zu machen. Aber da wir ja scheinbar unbedingt alles in ein Raster einordnen müssen, wird hartnäckig an solchen Systemen und Skalen festgehalten...

Was allerdings wirklich dazu beitragen kann, die Kosten für die Krankenkassen zu erhöhen, ist die Stigmatisierung von Körpern, besonders von dicken. Denn es ist erwiesen, dass dadurch viele dicke Menschen sehr häufig nicht oder viel zu spät zum Arzt gehen - weil medizinisches Personal nachweislich dicke Menschen sehr häufig schlecht, unzulänglich oder falsch behandelt. Manche Ärzte geben sogar zu, dicke Menschen abstossend zu finden und sie daher nicht richtig zu untersuchen. Gebrochenes Bein? Nehmen Sie ab! Husten? Nehmen Sie ab! Depressionen? Nehmen Sie ab! Krebs? Nehmen Sie ab!
Wer mir nicht glaubt, muss nur ein wenig googlen und wird viele Berichte finden, in denen Menschen etwa vom Besuch bei einem bestimmten Arzt abraten, weil der keine Dicken mag...



Und kotzen könnte ich bei den Kommentaren zu Artikeln wie jenen über Lagerfeld. Da wird wieder mal rundum ausgeholt. Besonders beliebt sind immer die "jeder-weiß-doch-dass"-Kommentare. "Jeder weiß doch, dass Dicke häßlich sind und keiner die sehen will." "Jeder weiß doch, dass Dicke Schuld am Untergang des Sozialstaats sind." "Jeder weiß doch, dass Dicke für Erderwärmung, Artensterben, Abtreibung und Fukushima verantwortlich sind." Ja, genau. Und nur weil manche "Journalisten" solche "Wahrheiten", die keine sind, unreflektiert wieder geben, wirds eben auch nicht wahr...

Vor ein paar hundert Jahren hat übrigens auch jeder gewußt, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Es hat jeder gewußt, dass man in die Hölle kommt, wenn man nicht brav ist. Es hat jeder gewußt, dass das Herz der Sitz der Vernunft ist. Es hat jeder gewußt, dass es Meerjungfrauen gibt. Und es hat mal jeder gewußt, dass die Erde eine Scheibe ist.



Mir jedenfalls stinkts. Mir stinkts, dass Menschen permanent nach ihrem Äußeren beurteilt werden. Die Dünnen diskriminieren die Dicken und die wiederum lästern über die Dünnen. Lasst es doch bitte einfach sein. Meine Figur ist meine Sache. Selbst wenn ich beschließen sollte, mich nur noch von Eiscreme und Pommes zu ernähren und mein Leben vor dem Fernseher zu verbringen, geht das niemanden etwas an. Aber ich habe schon lange den Eindruck, dass die Diskriminierung von Dicken die letzte Bastion für viele ist, nachdem man schwerlich offen und folgenlos rassistisch oder antisemitisch sein kann (was aber immer noch zu oft passiert). Auf Dicken kann man nach Herzenslust rumhacken, und wehe, sie stellen sich dann nicht in die Ecke und schämen sich!

Der große Haken ist nur: Was passiert, wenn man jemandem beibringt, oft von klein auf, seinen Körper zu hassen? Für die Wirtschaft ist das freilich prima, insbesondere für die Diätindustrie, aber was passiert mit den Menschen? Nur, wer seinen Körper auch liebt, wird ihm Gutes tun, ihn regelmäßig bewegen, weil er das gerne mag, und ihn ausgewogen ernähren.

Es gibt aber viele, die etwas dagegen haben, dass sich Menschen plötzlich in ihren Körpern wohlfühlen. Die Diätindustrie gehört mit Sicherheit dazu. Welches Interesse sollten Sie auch daran haben, dass die Menschen mit ihren Pülverchen und Pillen und Programmen tatsächlich dauerhaft abnehmen? Richtig viel Geld verdient wird ja nur, wenn das ganze Zeug nicht funktioniert...

Und leider ist es so: Es gibt keine Methode, die bewiesenermaßen zu einem dauerhaften und gesunden Gewichtsverlust führt. Jojo-Diäten oder gar zweifelhafte Methoden bis hin zu riskanten OPs sind mit Sicherheit sehr viel schädlicher, als mehr Pfunde. Es wär nur einfach schön, wenn es endlich mal aufhören würde, dass Menschen meinen, sie müssten andere beleidigen, diskrimieren und stigmatisieren. Übrigens führt die Diskriminierung von dicken Menschen dazu, dass diese noch mehr zunehmen - auch wenn oft behauptet wird, das Stigma sei ein Anreiz, endlich abzunehmen: Das stimmt nicht. Putting others down will never lift you up! Im Gegenteil: Wer andere Menschen abwertet und beleidigt, zeigt damit sein eigenes häßliches Inneres. Wer mit sich selbst zufrieden und im Reinen ist, fühlt keine Veranlassung, andere zu erniedrigen...


 

Besonders gehen mir seit langem die sogenannten "health trolls" auf die Nerven, die ihren Hass auf Dicke schlecht in ihrer angeblichen Besorgnis um die Gesundheit ihnen fremder Menschen zu verbergen suchen. Ich finde es auch immer wieder bemerkenswert, wie viele Menschen nur anhand eines Photos genau über Ernährung, Bewegung und Gesundheit eines anderen Bescheid wissen...

Was ich mich allerdings schon immer gefragt habe: Wie kann der Karl, der ja Dicke so hasst, ausgerechnet Beth Ditto zu seiner "Muse" machen??? Weil er ein bißchen Glanz von anderen haben will, weil er selbst keinen hat? Aber immerhin scheint sie sich mittlerweile von ihm abgewandt zu haben...

Beth Ditto


So, dass musste ich mir mal von der Seele schreiben. Jeder Körper ist ein guter Körper. Und wenn Dir meiner nicht gefällt, schau eben woanders hin.

Wer sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigen will, dem sei der Blog von Ragen Chastain ans Herz gelegt. Sie ist eine "Fat-Aktivistin", Tänzerin und Verfechterin von "Health at every size". In ihrem Blog "Dances with fat" gibt es auch jede Menge gut recherchierter Artikel zu eben jenen Themen - auch dazu, dass Gewicht und BMI nichts mit Gesundheit zu tun haben müssen... (englisch)

Herzlichst,
Klara

29. Oktober 2013

Kanzashi opulent!

Die große Haarnadel mit Kanzashi habe ich schon vor einer Weile gemacht, aber bisher noch (fast) niemandem gezeigt... Für die Haarnadel habe ich mal etwas anderes ausprobiert und mich mehr an den "echten" japanischen Kanzashi orientiert, wie sie von Geishas und Maiko getragen werden. Mehrere Blüten in verschiedenen Größen sind auf kleinen runden Basen befestigt, von denen jede auf einem dünnen Draht steckt. So lassen sich die Blüten sehr plastisch und in einem runden Gesteck anordnen.

Meine Schwester hat sich als Modell zur Verfügung gestellt, damit ich sie auch mal "in Aktion" zeigen kann. Danke, meine Liebe!


 

 





17. Oktober 2013

Oktobersonne

Beim digitalen Aufräumen habe ich noch einen Ordner Photos gefunden, die ich im letzten Herbst gemacht hatte... die Landschaft war wirklich schön, aber die Kleinstadt war doch irgendwann zu beengend für mich. Auch wenn es schade ist, dass mir in Wien wohl kaum mal eine Schafherde begegnen wird... hier ein paar Herbstimpressionen, mit reifen Beeren und den letzten Wiesenblüten des Jahres. Und eben einer Schafherde.
















13. Oktober 2013

Stoffe in Wien: Komolka

Ich habe in Wien ein Paradies entdeckt: Komolka

Komolka ist vermutlich das größte Fachgeschäft für Stoffe und Kurzwaren in Wien - und die Auswahl ist erschlagend! Ich habe es noch gar nicht geschafft, mich wirklich überall umzusehen, es ist einfach zu viel auf einmal :)

Komolka Wien Stoffgeschaeft Eingang
Der Eingang auf der Mariahilfer Strasse 58


Dabei wirkt der Eingang ziemlich unspektakulär. Ganz zentral auf Wiens größter und bekanntester Einkaufsstrasse, der Mariahilfer Strasse, gelegen (Nähe U-Bahnhof Neubaugasse auf der Linie U3), verzichtet das Geschäft auf große Schaufensterfronten, und beim ersten Besuch hätten wirs fast übersehen. Betritt man aber durch einen kurzen Durchgang das Geschäft, ist man überwältigt von so viel Auswahl. Ballen über Ballen Stoff, von einfachen und unverzichtbaren Basics über aktuelle Modestoffe zu einer riesigen Auswahl zeitloser Designs.


Die wahren Schätze des Wiener Familienbetriebs werden im ersten Stock präsentiert: Eine enorme Auswahl an wunderschönen Brautstoffen, Edles für Abend- und Cocktailkleider oder Ausgefallenes für Haute Couture. Geht man durch und zurück zur Vorderseite des Hauses, gelangt man zu einem großzügig gestalteten Bereich mit schöner Fensterfront, wo man an kleinen Tischen in aller Ruhe in den verschiedensten Schnittbüchern stöbern kann. Ein wenig Vintage-Flair gibts inklusive...

Komolka Wien Cocktailstoffe


Die Preise sind insbesondere hier oben teilweise ganz schön happig, aber hochwertige und edle Materialien haben eben auch ihren Preis. Und ich lasse manchmal beinahe ehrfürchtig meine Finger leicht über einen Spitzenstoff zu 170€/Meter (schluck!) oder feine Seide streichen...

Ein Paradies für mich ist natürlich ein langer Tisch, der angefüllt ist mit Dupionseide in gefühlt 100 Farben. Eine solche Auswahl hatte ich noch nie, und es fällt mir schwer, mich erstmal für ein kleines Sortiment zu entscheiden... ich liebe Seide, besonders Dupionseide mit ihren intensiven Farben und der einzigartigen Struktur - perfekt für edle Kanzashi!

Bei Komolka herrscht reges Treiben, und manchmal muss man etwas warten, bis eine der Damen Zeit hat, um die gewählten Stoffe abzuschneiden. Man kann seine Auswahl zu einem Tisch bringen oder es wird direkt an Ort und Stelle zugeschnitten und dann an einer zentralen Kassa bezahlt.

Komolka Wien Stoffe


Wer Stoffe, Bänder und Zubehör liebt, sollte in Wien unbedingt einen Besuch bei Komolka machen! Kurzwaren gibt es im Geschäft im Zwischenstock bei Jaqueline Gugerel - ich liebe die riesige Auswahl hochwertiger Satinbänder! Auch Nadeln, Nähgarn, Knöpfe, Einlage, Filz, Schrägbänder und was man sonst noch an Kleinigkeiten braucht, gibt es hier.

Für treue Kunden gibt es übrigens auch eine Kundenkarte, durch die man kleine Rabatte bekommen kann. Gewerbliche Kunden erhalten auf Antrag eine Gewerbekarte, mit der 10% auf jeden Einkauf gewährt werden. Einfach die Angestellten darauf ansprechen!

Herzlichst,
Klara


7. Oktober 2013

Oachkatzel füttern im Park...

Allmählich kehrt wieder Ruhe und ein bißchen Alltag ein bei mir. Und weil der Schloßpark Schönbrunn nicht weit ist, sind wir dabei, schöne Spazierwege zu erkunden... die nette alte Dame im Erdgeschoß hat sich ja neulich bei mir beklagt, dass es kaum noch "Oachkatzeln", also Eichhörnchen, im Park zu Schönbrunn gebe - da kann ich aber Gegenteiliges berichten.

von www.naturfotoworkshop.at

Schon bei unserem ersten Ausflug zur Gloriette haben uns die possierlichen Tierchen fast schon belästigt und ein besonders kesses Oachkatzel ist mir kurzerhand ans Bein gesprungen :) Da hatten wir nichts essbares dabei, aber heute haben wir, bewaffnet mit Haselnüssen, die knuffigen Eichhörnchen nochmal besucht.

Irgendwie mag ich die kleine Gloriette besonders gern. Ein wenig abseits des Hauptweges gelegen, hat sie was besonders Malerisch-Nostalgisches. Ich würde zu gerne mal sehen, wie sie von innen aussieht! Leider sind alle Läden verrammelt... 

Und es ist wirklich herzig, wenn die flauschigen kleinen Tierchen mit schnellen Sprüngen auf einen zu hopsen und sich dann ganz vorsichtig eine Nuss aus der Hand holen. Die roten waren etwas schüchterner als die braunen, aber ob das eine Gesetzmäßigkeit ist? Hungern müssen die Park-Eichhörnchen jedenfalls bestimmt nicht, denn außer uns waren noch einige Leute mit Nüßchen da...

von www.meinbezirk.at


Irgendwie bezaubert mich das einfach, wenn ansonsten wilde Tiere ohne Scheu herkommen. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich in einem Sommer am Großglockner, wo die lustigen Murmeltiere sich über unsere Apfelschnitze gefreut haben. Und ein bißchen erinnern mich die kleinen Eichhörnchen auch an meinen Kater, der als ehemaliges Strassenfindelkind auch ein bißchen scheuer ist als die meisten Katzen... der aber dank viel Geduld heute ein ganz großer Schmuser ist - solange ihn nichts erschreckt, dann ist er auch mal ganz schnell in seinem Versteck.


Mein Kater Mika
 Ein älterer Mann ist anscheinend von einem Oachkatzel wiedererkannt worden, das war nämlich mit einer Nuss nicht zufrieden, und ist solange auf dem Mann rumgeklettert, bis er noch mehr Nüsse aus seinem Rucksack geholt hat. "Der ist nie mit einer Nuss zufrieden" hat er lachend gemeint. Ob uns die Schönbrunner Oachkatzeln auch bald wieder erkennen?

von www.mypics.at

 In Ermangelung eigener Photos der Oachkatzeln gibts erstmal leider nur welche aus dem Netz, meine kleine Kamera habe ich irgendwohin verlegt, und ich gehöre zur aussterbenden Art der Smartphone-Verweigerer.

Herzlichst,
Klara