7. April 2013

"Ich bin beschäftigt!"

Manchmal kann ich es wirklich nicht mehr hören. Alle sind immer so beschäftigt. Die Standardantwort auf die Frage "Wie gehts Dir?" ist häufig nicht mehr "Gut, danke!" (Was oft genug nicht stimmt...) sondern: "Ich bin beschäftigt!" "Ich habe zu tun!" Manchmal bekommt man dann noch erzählt, was der andere gerade macht, was meistens aber auch Allgemeinplätze sind, aber keiner scheint müde zu werden, zu betonen, wie beschäftigt man ist.

Bei Familienfeiern oder auch nur gemeinsamem Kaffee oder Grillen ist immer eine/r dabei, der/die einen Wettbewerb starten muss, wer mehr zu tun hat und wer härter und länger arbeitet - natürlich ist das grundsätzlich der, der diesen Wettbewerb startet. "Ich habe zwei Teilzeitjob und dann muss ich noch den Haushalt machen, mich im Sportverein engagieren, mich um die Kinder kümmern und die Katze füttern, ich bin so beschäftigt!" Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es spitze Bemerkungen wie: "Also, ich hätte keine Zeit mehr für Gartenarbeit/Sport/Hobbies, ich muss arbeiten!" (Am besten fand ich einmal die Bemerkung: "Ich hab keine Zeit zum Nachdenken, ich muss arbeiten!!!")

In sozialen Medien (natürlich allen voran Facebook) geht es so weiter. Wenn ich mal reinschaue, was es für Neuigkeiten gibt, ist IMMER jemand dabei, der gerade mal wieder betonen muss, wie beschäftigt er ist, wie viel er/sie arbeiten muss, was noch alles zu tun ist, wie lang die To-Do-Liste noch ist blablabla... vorzugsweise natürlich am Wochenende. Für mein Empfinden bedeutet das aber nicht, dass der/die "Betroffene" gern Mitleid oder ein paar aufmunternde Worte hören würde. Vielmehr ist das in der Regel eine Selbstdarstellung, die zeigen soll: "Ich bin erfolgreich, ich bin beliebt, ich komme rum, ich schaffe was - UND DU?" Und eine Aufforderung: "Wieso sitzt Du heute faul auf dem Sofa? Mach was! Sonst wirst Du nie so erfolgreich wie ich!"

Paradoxerweise sind häufig die Leute, die furchtbar beschäftigt sind, nicht besonders produktiv... das Gefühl kennen sicher viele: Man werkelt den ganzen Tag, rennt rum und weiß nicht, was man zuerst machen soll, man ist sooo beschäftigt - und am Ende merkt man, dass man eigentlich nichts geschafft hat... außer bei Facebook zu posten, wie beschäftigt man ist :)



Ist das erstrebenswert? Für mich nicht. Ja, es ist nicht immer einfach, der Falle zu entgehen, und ich habe oft das Gefühl, ich könnte ja noch und müsste ja noch und sollte ja noch... aber ich denke, wir sollten alle mal einen Gang zurückschalten und uns auch mal wieder mehr um uns selbst kümmern, anstatt immer und überall verfügbar zu sein. Wir müssen nicht alle halbe Stunde unsere Mails checken und wir dürfen unser Handy auch mal ausschalten. Im Online-Geschäft kann es ja vielen nicht schnell genug gehen - aber nicht jeder sitzt pausenlos am PC und kann jede Kundenanfrage in Echtzeit beantworten. Ich bemühe mich immer um eine schnelle Antwort, aber das geht nicht immer. Auch ich nehme mir mal einen Tag frei, trotz altem Witz "Selbständig heißt selbst und ständig!" Und wenn mir mal wieder alles zuviel wird, gehe ich auch mal zwei Stunden spazieren oder schwimmen, um abzuschalten. Auszeiten sind so wichtig! Ansonsten macht man bald gar nichts mehr.

Es ist nicht immer einfach, gerade in unserer schnellebigen Zeit, in der alles am besten gestern erledigt sein soll. Aber alles braucht seine Zeit. Und man kann nicht immer nur "beschäftigt" sein.


Kommentare:

  1. Stopp das Hamsterrad, bevor es dich stoppt.
    Auszeit, sich rausnehmen, runtertakten, auf das Wesentliche konzentrieren.
    War meinn letztes Jahr, deshalb leb ich noch.
    Danke für deinen Tritt ans Schienbein. Manchmal brauchen wir das unbedingt!! Herzlichst
    yase

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    1. Hallo Yase,
      oh, ich kann auch sehr gut darin sein, immer "zu tun zu haben"... Ich hab mir gerade auch selbst ans Schienbein getreten, und muss es immer wieder tun. Man läuft heute so schnell Gefahr, in der Tretmühle unterzugehen, finde ich. Aber Einsicht ist ja meistens der erste Schritt zur Besserung... :)
      Herzliche Grüße,
      Nadine

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  2. You go , sister! Lieber weniger vom beschäftigt sein reden und tatsächlich mehr machen - den Ansatz werde ich in die neue Woche mitnehmen.
    Herzlichst
    Herzliebchen

    PS: Schön, mal wieder von Dir zu lesen!

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    1. Danke! Und vergiß die Pausen und Auszeiten nicht! ;) (Ich brauche da manchmal auch jemanden, der mich dran erinnert. Blöd eigentlich.)

      Liebe Grüße!

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