4. Oktober 2012

Herbst-Hütchen!

Ja, es ist schon wieder eine Weile her. Der Sommer ist vorbei, und plötzlich ist es richtig herbstig geworden. Ich wärme mich mit Unmengen Tee auf, und an Tagen wie diesen, grau, stürmisch und wolkenverhangen, mag ich gar nicht raus gehen...

In der Zeit meiner Blog-Abwesenheit habe ich endlich etwas verwirklicht, das ich schon so lange vor hatte: Jede Menge Fascinators für die kalte Jahreszeit, gefilzt aus Schafwolle und weicher Merino-Wolle, und auf unterschiedlichste Arten dekoriert. Wichtig war und ist mir, Hütchen zu fertigen, die auch im Alltag tragbar sind, aber so schick, dass sie auch besondere Anlässe verschönern können. Nicht zu überkandidelt, aber trotzdem Eyecatcher.

Ich mag Fascinators und kleine Hütchen. Sie sind einfach etwas Besonderes, weil heute nach wie vor wenige Leute Hut tragen. Aber es hat mir einfach nicht gereicht, fertige Fascinator-Bases zu verzieren, und daher experimentiere ich damit, meine eigenen herzustellen, die ich ganz an meine Wünsche und Vorstellungen anpassen kann. Es stößt mir sogar immer wieder sauer auf, wenn ich im Handmade-Bereich Dinge sehe, die einfach nur aus fertig gekauften Teilen zusammengesetzt sind. Man klebe Fertigteil A auf Fertigteil B, "Schau mal, hab ich selbst gemacht!" Schon mehrfach habe ich Teile entdeckt, von denen ich genau sagen kann: Federblüte, fertig gekauft für ca. 2€ pro Stück, geklebt auf Fascinator-Base, gekauft für ca. 1,50€ pro Stück, Arbeitszeit ca. 5 Minuten, Verkaufspreis 30€. Ich mag sowas nicht. Das ist nicht "handmade", in meinem Verständnis.

Weil ich Schafe liebe, und Wolle auch, lag es nahe, zu filzen. Filz ist ein tolles Material, franst nicht aus, ist weich und farbenfroh und wunderbar wärmend. Und ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass der Prozess des Filzens an sich so viel Spaß machen könnte! Das Zupfen der feinen Wolle, das Streichen und Kreisen mit den Händen auf der nassen Wolle, das Ausspülen, und schließlich das mitunter recht anstrengende Walken - all das sind so haptische Erfahrungen!

Die erste angefilzte Lage Wolle

Eine zweite Lage Wolle ist aufgezupft

Der Rohling vor dem Walken

Beim Walken kann der Hut zwischendurch auch mal etwas deformiert aussehen...

Der fertige Rohling wird noch feucht auf einen Styroporkopf gespannt, damit er die gewölbte Form bekommt. 


Bei der Merinowolle habe ich gezielt nach Wolle gesucht, die nicht aus Australien kommt. Das ist mir sehr wichtig, denn australische Merinoschafe sind völlig überzüchtet, um die Wollausbeute zu erhöhen, daher haben sie richtige Hautfalten. Schmeißfliegen befallen die Schafe und legen Eier in diese Hautfalten, und die betroffenen Tiere werden regelrecht von Maden zerfressen. Um das zu verhindern werden die Tiere in Australien, teilweise auch in Neuseeland, einer sehr schmerzhaften Prozedur, dem sogenannten "Mulesing" unterzogen, bei dem ohne Narkose mit großen Scheren, die an Rosenscheren erinnern, Hautlappen am Hinterteil der Schafe einfach weggeschnitten werden. Die Tiere läßt man mit den offenen Wunden wieder laufen, die anschließende Vernarbung soll den Fliegenbefall verhindern. Widerliche Tierquälerei... daher also KEINE australische Merinowolle!


Beim Verzieren der Hütchen kann ich mich schließlich wieder austoben... Hier ein paar Impressionen:


mit Hutnetz und Kanzashi aus Seide

puristisch mit Kanzashi aus Seide


mit Tupfentüll und Samtschleife

mit aufwendig gestalteter Orchidee aus Seide

in petrol mit Hutnetz und Blüte

mit Pfauenfeder und Samtschleife

puritisch mit Samtschleife

mit Schleife aus Seide in Schottenkaro

mit aufwendiger Kanzashi-Zier


Alle Hütchen sind Unikate. Weitere folgen bald!

Kommentare:

  1. Oh, wie schoen. Du hsst Deine Blogabwesenheit echt gut genutzt.

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    1. Dankeschön! Und ich hoffe, ich schaffs jetzt wieder regelmäßiger, dank Herbst und gutem Tee :)

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