6. August 2012

Todestage und andere Jubiläen...

Wien schwelgt dieses Jahr im Klimt-Jahr. Regenschirme, Topfuntersetzer, Bodenvasen und Klopapier, alles im Klimt-Look zu haben. Eine Ausstellung nach der anderen über den "Jahrhundertkünstler" - Jahrhundert offensichtlich, aber für mich ist Klimt nicht viel mehr als ein Maler dekorativer Borten und Bildchen... nun, darüber läßt sich streiten.

Auch Mozartjahre sind äußerst beliebt, und meine "Abitursstadt" wollte sogar aus der Tatsache, dass Goethe vor 200 Jahren mal durch die Altstadt gefahren ist, und der Kleinstadt am Fuße der schwäbischen Alb zwei Zeilen in seinem Reisebericht gewidmet hat, ein ganzes Goethefest machen - obwohl diese beiden Zeilen nichtmal besonders schmeichelhaft waren. Glücklicherweise scheint damals doch noch jemand einen hellen Moment gehabt zu haben, das Fest fand dann doch nicht statt.



Gestern, am 5. August 2012, gab es ein weiteres Jubiläum: Marilyn Monroes 50. Todestag. Bis heute ist nicht geklärt, ob Marilyn Selbstmord beging oder ob sie von den Kennedys oder aber - noch wahrscheinlicher - deren politischen Gegnern ermordet wurde. Fakt ist, dass viele merkwürdige Dinge rund um Marilyns Tod geschahen, Beweise verschwanden oder wurden gar nicht erst aufgenommen, und auch wie die extrem hohe Dosis Barbiturate, die vermutlich sogar einen Elefanten hätte töten können, in ihren Körper gelangen konnte, bleibt nicht restlos geklärt, keine Erklärung scheint schlüssig.



Natürlich wurden auch zu Marilyn "Ehrentag" einige (ältere) Dokumentationen ausgegraben, und das Fernsehen zeigte (und zeigt noch in den nächsten Tagen) ein paar ihrer Filme. Besonders die Filmauswahl scheint bisweilen merkwürdig, der von Marilyn selbst gehasste Otto-Preminger-Western "River of no return" wurde gezeigt, außerdem der putzige, aber nicht besonders gute "Ladies of the chorus", während "The Misfits" auf keinem Sender Beachtung fand, obwohl er Marilyn als das zeigt, was sie immer sein wollte: Eine Schauspielerin, keine blonde Sexbombe.



Ganz fürchterlich schlecht fand ich allerdings die 1-stündige Dokumentation, die gestern auf ORF2 gesendet wurde: "Marilyn gegen Monroe" von Patrick Jeudy (Regie) und Andrzej Jeziorek (Buch). Die französische Dokumentation aus dem Jahr 2002 wollte insbesondere die Beziehung von Marilyn zu ihrem Photographen und Freund Milton Greene beleuchten, der sie unzählige Male und wie kein anderer vor der Photokamera inszenierte, mit dem sie ihre eigene Produktionsfirma "Marilyn Monroe Productions" gründete und bei dem sie einige Zeit in New York lebte - vielleicht die glücklichste Zeit ihres Lebens als Star.




Positiv sind sicher die vielen Photoaufnahmen Greenes, die die Doku zeigt, aber der Inhalt scheint mir doch bisweilen fragwürdig. Eine Abtreibung ist nunmal keine Fehlgeburt, und beides in einen Topf zu werfen stößt mir sehr sauer auf. Viele Aussagen Marilyns sind falsch oder verzerrt übersetzt, was jedem, der des Englischen mächtig ist und den Originalton (der immerhin zum Glück erhalten blieb und nicht synchronisiert wurde) mit den eingeblendeten deutschen Untertiteln vergleicht unschön auffallen muss.



Aber vor allem: Was, lieber Herr Jeudy, sollen die unzähligen und völlig sinnfrei und unmotiviert eingebauten Bilder, die nun mit Marilyn rein gar nichts zu tun haben? Minutenlang tummeln sich Schlammcatcher, Boxer, Passanten auf der Strasse und kleine Buben in Badeanzügen im Bild, wild zusammengeschnitten, mit etwas Hintergrund"musik" garniert. Was das mit der Dokumentation selbst zu tun haben woll, bleibt unklar, denn die einzige Verbindung dieser Bilder mit Marilyn Monroe könnte sein, dass auch diese Aufnahmen aus den 1950er Jahren stammen - das wars dann aber auch schon. Handelt es sich dabei um die gerühmten "bisher unveröffentlichten Aufnahmen", die zu sehen sein sollen? Oder hat Patrick Jeudy einfach einige Lückenfülle gebraucht, um die Spielzeit von 60 Minuten voll zu kriegen?



Aber auch der Informationsgehalt bleibt recht dürftig. Jeudy und Jeziorek beschränken sich auf ein paar Fakten, während sie wiederum andere einfach weglassen. Eine tiefergehende Analyse auch nur zu irgendeinem Aspekt aus Marilyns Leben fehlt völlig - aber gerade das würde doch erst interessant. Dass Marilyn als ernsthafte Schauspielerin gesehen werden wollte, wissen wir schon lange, und auch Patrick Jeudy wird und wird nicht müde, das betonen zu lassen, durch seinen Sprecher und durch Marilyn im O-Ton selbst - warum aber hat sie sich dann doch meist dazu hinreißen lassen, doch wieder in der Öffentlichkeit die Sexgöttin zu geben? Warum strahlt sie, lacht sie, posiert sie als wäre sie der Sonnenschein selbst, sobald eine Kamera auf sie gerichtet wird? Hier klaffen Text und Bild extrem auseinander, und während der Sprecher mir erzählt, wie schlecht es Marilyn zu diesem Zeitpunkt ging, sehe ich sie Kußmünder machen und kichern wie ein übermütiger Teenager.

Marilyn Monroe und Milton Greene
 
Ich mache mir über diese sehr auffällige Tatsache durchaus meine Gedanken... hätte das aber eben auch von den Machern dieser Doku erwartet, anstatt mir wieder einen Reigen unmotivierter Found-Footage- Aufnahmen zu zeigen. Und was Schlammcatcher mit Marilyn zu tun haben, bleibt weiter im Dunkeln - wie so vieles über ihr Leben, ihren Tod...

Herzlichst,
Klara


1 Kommentar:

  1. Danke für die Infos- der Tag wäre sicherlich an mir vorbei gegangen.

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