24. August 2012

Mommie Dearest...

Gut, ich sage es besser gleich vorneweg: Ich mag Joan Crawford nicht. Ich mochte sie noch nie. Deswegen hat es mich nicht verwundert, dass ihre Adoptivtochter Christina nach ihrem Tod schwere Vorwürfe gegen ihre "Mommie Dearest" erhoben hat. Mich wundert auch nicht, dass ich die Existenz dieses Berichtes erst jetzt entdeckt habe, denn Joan Crawford hat mich nie besonders interessiert. Der einzige Film, den ich mit ihr mag, ist "Whatever happened to Baby Jane?", und dieser ist für mich vor allem ein Bette Davis-Film. Und über Bette Davis bin ich irgendwie zu "Mommie, dearest" gekommen.

Christina und Joan Crawford


"Mommie Dearest" ist die kommerziell sehr erfolgreiche Autobiographie von Joan Crawfords ältester Adoptivtochter Christina, die in ihrem Buch ausführlich von den seelischen und körperlichen Mißhandlungen durch ihre Mutter Joan erzählt. Insbesondere seelische Grausamkeiten waren im Leben der vier Adoptivkinder offenbar an der Tagesordnung, und später gingen einige sogar so weit, anhand dieser Memoiren an Joan Crawford posthum eine Borderline-Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren. Christina wird von klein auf mit sehr kruden Mitteln auf Disziplin und Erfolg getrimmt. Publicity ist alles, natürlich Joans Publicity. Christina wird von morgens bis abends kritisiert, gedemütigt, getriezt. Trotz offensichtlichem Ekel will ihre Mutter sie zwingen, ein rohes Steak zu essen. Joans Alkoholismus und ihre beständig wechselnden Affären verstören die Kinder zutiefst. Und besonders spektakulär ist die "wire hanger scene": Mitten in der Nacht kontrolliert Joan das Zimmer ihrer Kinder (im Film übrigens von vier auf zwei reduziert), und entdeckt, dass in Christinas riesigem Kleiderschrank ein Kleidchen auf einem Draht-Kleiderbügel hängt. Joan bekommt einen hysterischen Wutanfall, verwüstet das Zimmer der völlig verängstigten Kinder, drischt schließlich mit dem Kleiderbügel auf Christina ein. Anschließend schleppt sie das Kind ins angrenzende Badezimmer, wirft Christina vor, sie habe es nicht genügend geputzt (obgleich alles blitzt), verstreut Scheuerpulver, schlägt noch einmal mit der Putzmitteldose auf Christina ein und verläßt endlich angewidert das Zimmer der Kinder, nicht ohne Christina aufzutragen: "Now clean this mess up!"

No wire hangers!


Aber auch als Christina älter wird, hören die Schikanen nicht etwa auf. Wegen einer harmlosen Knutscherei mit einem Jungen in ihrem Internat wird Christina zur Strafe von ihrer Mutter in eine überaus strenge Klosterschule gesteckt und dort von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Als sich Christina einmal gegen die ständigen Vorwürfe zur Wehr setzen will, rastet Joan komplett aus und würgt ihre Tochter beinahe zu Tode. Aber nicht einmal nach Joans Tod in den 70er Jahren kehrt Frieden ein: Als Abschiedsgruß hat sie ihre Adoptivkinder allesamt enterbt.

Immer perfekt für die Öffentlichkeit: Faye Dunaway als Joan und Mara Hobel als Christina


Ich habe das Buch erst angefangen, wenngleich es in meinem Stapel als nächstes zu lesender Bücher ganz oben liegt. Aber ich habe mir gestern die Verfilmung aus dem Jahr 1981 angesehen, und meine Gefühle sind äußerst gemischt...

Das Kind mag kein rohes Steak


Faye Dunaway spielt Joan Crawford, und das mit so vollem Einsatz, dass sogar ihr "Filmkind" echte Angst vor ihr gehabt haben soll. "Variety" schrieb: "Dunaway does not chew scenery. Dunaway starts neatly at each corner of the set in every scene and swallows it whole, costars and all."
Die Ähnlichkeit zur älteren Joan ist bisweilen auch verblüffend, da haben die Maskenbildner beste Arbeit geleistet. Der Film selbst hinterläßt aber einen äußerst fahlen Geschmack.

Faye Dunaway als Joan


Es liegt eigentlich nicht an Faye Dunaway, ihr Schauspiel finde ich meistens hervorragend, stets am Rande der Hysterie und bisweilen bis ins Groteske überzogen. Sie beherrscht jede Szene - und so, stelle ich mir vor, war Joan Crawford tatsächlich. Laut, überheblich, arrogant und bis in die Haarspitzen von sich überzeugt, dabei krankhaft perfektionistisch und von einer gestörten Disziplin besessen.

Diana Scarwid als Christina


Aber Christina?! Schon Mara Hobel, die das Kind Christina spielt, ging mir permanent auf die Nerven. Ihr Spiel wirkt künstlich und bisweilen viel zu erwachsen für ein Kind in diesem Alter. Dass sie meistens auch noch völlig fürchterlich zurecht gemacht ist, dafür kann sie wohl wenig, macht es aber zusätzlich schwierig, diesen Charakter zu "mögen". Diana Scarwid als heranwachsende Christina ist leider auch nicht besser. Farblos, stimmlos und mit nur einem Gesichtsausdruck ausgestattet, hinterlässt sie ein Bild von Christina Crawford, das fern von schmeichelhaft ist. Kein Wunder, dass die "echte" Christina den Film gehasst hat...

Diana Scarwid


An Christina Crawfords Glaubwürdigkeit ist immer wieder gezweifelt worden. Besonders Myrna Loy, die seit 1925 mit Joan Crawford eng befreundet war, sagte, sie habe nie mitbekommen, dass Joan Crawford ihre Kinder jemals mißhandelt habe, weder seelisch noch körperlich, während andere zugeben, dass sie öfter Zeuge von Mißhandlungen der Kinder wurden. Die Frage ist, wem man glaubt, ich neige aber doch sehr dazu, Christina zu glauben, trotz der guten "Erinnerungen" von Myrna Loy an ihre Freundin. Denn: Nicht jeder empfindet eine grausame Behandlung eines Kindes tatsächlich als Mißbrauch. Insbesondere zu früheren Zeiten war die Ansicht noch sehr viel weiter verbreitet als heute, dass Kinder streng und mit harter Hand und viel Disziplin erzogen gehören - inklusive körperlicher Züchtigung. Es würde mich also keinesfalls wundern, wenn viele Menschen den Umgang von Joan Crawford mit ihren Kindern nicht als Mißbrauch empfinden würden, da sie ähnliche "Erziehungsideale" haben.


Auch wurde Christina vorgeworfen, dass sie ihr Buch erst nach Joan Crawfords Tod veröffentlicht habe, damit sich die Filmdiva nicht mehr gegen die Vorwürfe wehren könne. Auch das finde ich kein Argument gegen Christinas Glaubwürdigkeit. Kinder und Adotivkinder befinden sich in einer Abhängigkeit von ihren Eltern, selbst oder auch gerade wenn diese sie mißhandeln, und ich kann mir gut vorstellen, dass Christina erst nach dem Tod ihrer dominanten Adoptivmutter überhaupt den Mut hatte, die Wahrheit zu erzählen. Ein Motiv für das Buch mag die Verärgerung darüber gewesen sein, dass Joan ihre Kinder enterbt hat, zumindest wird das am Ende des Films angedeutet. Aber das bedeutet nicht, dass alle Vorwürfe erfunden sind.

Dennoch ist "Mommie Dearest" natürlich aus Christinas Sicht erzählt und von ihrem Erleben geprägt - das darf es aber auch sein. Ich bin gespannt auf das Buch und den "O-Ton" Christinas, denn auch wenn der Film mit über 2 Stunden das Leben des Hollywoodstars durchaus ausfächert, reicht es dennoch nicht, die komplexe Thematik zufriedenstellend zu erzählen - und der Film scheint an manchen Stellen zu sehr gerafft.



Verwunderlich finde ich auch nicht, dass "Mommie Dearest" schnell zu einer "Komödie wider Willen" wurde, und bei manchen Aufführungen sollen die Besucher sogar mit Ajax und Drahtkleiderbügeln bewaffnet erschienen sein, um dem Film "interaktiv" zu erleben - ähnlich wie bei der legendären "Rocky Horror Picture Show". Wirklich gelungen finde ich den Film jedenfalls nicht. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht. Dann doch lieber "Whatever happened to Baby Jane?" Und wie sagte da Bette Davis? "The best time I ever had with Joan Crawford was when I pushed her down the stairs in Whatever happened to Baby Jane..."

Bette Davis und Joan Crawford

Kennt jemand Film und/oder Buch? Wie ist eure Meiung dazu?

Herzlichst,
Klara

16. August 2012

Couscous-Salat auf griechische Art

Ein spontan erfundenes Rezept, so lecker, dass ich es gerne teile... Marokko trifft Griechenland!

Griechischer Salat ist einer meiner Lieblingssalate. Knackige Paprika, frische Gurken, sonnengereifte Tomaten, Zwiebeln, leckere Oliven und Feta-Käse... yummy! Und ich liebe Couscous... Was liegt also näher, als beides zu kombinieren?


Zutaten:
ca. 250 g Couscous
1 Salatgurke
1 gelbe oder orange Paprika
2-3 Strauchtomaten
1 Zwiebel
1-2 Knoblauchzehen
einige Oliven
Salz
Pfeffer
mediterrane Kräuter (frisch und/oder getrocknet)
Olivenöl
1 Zitrone
etwas milder Essig (z.B. weißer Balsamico oder Obstessig)

Couscous nach Packungsanweisung zubereiten und abkühlen lassen.
Salatgurke schälen und in kleine Würfel schneiden. Paprika putzen und in kleine Würfel schneiden, Tomaten vom Stielansatz befreien und würfeln. Zwiebel schälen und in dünne Halbringe schneiden. Knoblauch sehr fein hacken. Oliven evtl. halbieren. Feta in Würfel schneiden. Die Zitrone auspressen.

Couscous und Gemüse in einer großen Schüssel vermischen. Zitronensaft und 3-4 EL Olivenöl zugeben und untermischen. Wenn der Salat noch zu "trocken" ist, etwas mehr Zitronensaft oder Öl zugeben. Nach Wunsch mit etwas mildem Essig abschmecken. Salzen, pfeffern, die getrockneten Kräuter (oder die gehackten frischen Kräuter) untermischen. Und genießen!

Am besten schmeckts mit den guten Oliven vom Griechen oder Türken, Oliven aus dem Glas sind ein weniger guter Ersatz. Grün oder schwarz? Was Dir besser schmeckt... oder auch einfach beides!

Zum Würzen habe ich noch eine original griechische Kräutermischung für griechischen Salat vom letzten Naxos-Aufenthalt, aber auch eine mediterrane Kräutermischung wird gehen. Besonders lecker wirds natürlich mit frischen Kräutern, meine haben gerade allerdings Schonfrist wegen akutem Blattlausbefall (wie wird man die Mistviecher wieder los?). Und bitte unbedingt echten Feta aus Schafsmilch (oder Schaf- und Ziegenmilch) verwenden! Denn dieser Pseudofeta aus Kuhmilch ist einfach nur fad...

Guten Appetit!

Herzlichst,
Klara

14. August 2012

Every little step...

Ach, irgendwie mag ich Tanzfilme. Schon seit ich klein bin. Und ich habe immer viel getanzt, am liebsten, wenn ich allein war, unbeobachtet. Auch "A Chorus Line" habe ich zuerst als Kind gesehen, da war ich vielleicht 10 Jahre alt.



Die Geschichte der vielen Tänzer, die für eine Rolle vortanzen, die gnadenlos aussortiert werden, ging mir irgendwie sehr nahe. Ich fand es unfair, dass die arrogante Sheila bleiben durfte, während andere abgewiesen wurden. Und als sie am Ende doch noch gehen muss, da war ich ein bißchen schadenfroh.
Als Maggie "aussortiert" wurde, war ich dafür traurig, denn sie mochte ich irgendwie. Immerhin bekam "Bebe" den Job...





Trotzdem: Als Kind empfand ich es unglaublich hart und gemein, als einer nach dem anderen abgelehnt wurde. Ich bewunderte die Tänzer, sie waren doch alle so gut! Und dann die letzte Auswahl! Verdammt, ich fand es so gemein, die Tänzer vortreten zu lassen, genau zu wissen, dass sie denken, sie haben die Rolle - und dann einfach zu sagen: "Vordere Reihe danke, ihr könnt gehen!"


 
Eines ist mir aber ganz besonders aufgefallen, als ich den Film vor wenigen Tagen noch einmal gesehen habe.

In der Schlußszene tanzen zuerst die 8 "Auserwählten". Dann sind plötzlich die anderen aus der letzten Runde wieder da! Und ich dachte damals ganz naiv und unschuldig: Hurra, sie dürfen doch mittanzen, sie sind doch nicht ausgeschieden! Dann kamen immer mehr und mehr und ich stellte mir vor, sie alle bekommen jetzt doch einen Job, Zach ist gar nicht so gemein, wie er mir vorkam und alles kommt zu einem guten Ende...



Und jetzt? Jetzt weiß ich natürlich, dass dem nicht so ist. Ausgeschieden ist ausgeschieden ist ohne Job, ganz egal, was das für denjenigen Tänzer bedeuten mag. Acht stehen auf der Bühne - hunderte stehen auf der Strasse. Aber mich hat das nichtmal mehr traurig gemacht, nur unbeteiligt. Denn, so habe ich irgendwann auf dem Weg vom Kindsein zum Erwachsenwerden gelernt: So ist es nunmal auf der Welt. Es gibt kein Happy End für jeden von uns und das Leben ist ein endloser Wettbewerb. Wenn Du nicht gut genug bist, fliegst Du eben raus. Du musst mit Druck leben, mit Neid, und mit Gemeinheiten.

Nicht mehr die Tatsache vom Ausscheiden einiger Tänzer ist mehr traurig. Sondern diese Erkenntnis. Das Ende der Illusion.






13. August 2012

Anna und ich...


Eine Heldin meiner Kindheit ist tot. Silvia Seidel hat sich im Alter von nur 42 Jahren vor wenigen Tagen, am 06. August 2012, das Leben genommen. 



Diese Nachricht macht mich unerwartet traurig. Still war es geworden um die Schauspielerin, die als junges Mädchen so viele Menschen begeistert hat. Sie spielte Nebenrollen in verschiedenen TV-Serien, aber vor allem war das Boulevardtheater ihre Heimat. Ich habe immer mal wieder geschaut, was Silvia Seidel so macht. Im letzten Artikel, den ich gelesen hatte, das dürfte schon mehr als ein Jahr her sein, klagte die Schauspielerin über Geldsorgen und wenige Engagements – ein Schicksal, das sie mit dem Großteil der Schauspielkollegen teilen dürfte. Denn Rollen sind rar, überall wird gespart – und statt teurer Spezialeffekte verzichtet man lieber auf Schauspielergagen. Einige berichten, Angebote sehen für einen freien Mimen bisweilen so aus: „Ich würd mich freuen, wenn Du in meinem Film mitspielst. Zahlen können wir nicht viel (oder gar nichts), die Spesen können wir leider nicht übernehmen, aber du hast ja dann immerhin die Referenz, nicht wahr?“ Dass auch Freiberufler und Selbständige Rechnungen zahlen müssen, scheint nicht zu interessieren. 



Trotzdem macht die Regenbogen- und Boulevardpresse aus Silvia Seidels Problemen und Geldsorgen eine große Affaire. Gescheitert soll sie sein, abgestürzt, ihre Miete kann sie nicht mehr zahlen. Dabei war sie doch mal so talentiert und so beliebt… Gewiß, an den Ellbogen soll es ihr gemangelt haben, wissen Kollegen zu erzählen, und die braucht man heute überall. Traurig finde ich das. Catherine Deneuve hat in „Begierde“ („The Hunger“, 1983) gesagt: „Mit Freundlichkeit erreicht man mehr.“ Heute gilt das nirgendwo mehr. 



Als sich Silvia Seidels Mutter vor 20 Jahren das Leben genommen hat, hatte die Boulevardpresse gleich eine schöne Rolle für die junge Frau parat: Die Tochter sonnt sich im Erfolg und im Scheinwerferlicht, und ihre arme Mutter sitzt zuhaus und ist verzweifelt, so verzweifelt, dass sie sich schließlich umbringt. Wegen der bösen Tochter. Gewiß, ich war nicht dabei, aber ich bin sicher: Nichts davon ist wahr. Auch Silvia Seidel hat das immer wieder gesagt, zugehört hat ihr keiner. Da liest man lieber Bild-Zeitung und fühlt sich total informiert und – gebildet. 



Aber auch wenn Silvia Seidel ihre einstige Paraderolle später gehasst hat: Als Ballettschülerin „Anna“ werde ich sie besonders in Erinnerung behalten. Weil sie damals eine Heldin für mich war. Dabei hatte ich die Weihnachtsserie zuerst gar nicht verfolgt, hatte erst durch den Hype, der damals entstand, von „Anna“ erfahren. Ich sah die Serie in einer Wiederholung, ich verschlang die Bücher und war verzaubert von der Geschichte um das junge Mädchen, das nach einem schweren Unfall gelähmt war, sich aufgab – und durch den jungen querschnittgelähmten Rainer ihren Lebensmut wieder findet. 

Silvia Seidel mit Patrick Bach als Rainer in "Anna"

 Sie lernt wieder gehen – und tanzen. Auf einer Schule, die besonders künstlerische Talente der Schüler fördern soll, erkämpft sie sich einen Platz in der Ballettklasse, die der Tanzstudent Jakob leitet. Sie brilliert in der Schulaufführung des Balletts „Aschenputtel“ und macht Jakobs Lehrerin auf sich aufmerksam. 

Anna als Cinderella

Und sie schafft es, schafft die Aufnahmeprüfung in die Ballettklasse der ehemals weltberühmten Prima Ballerina Irina Kralowa. Das Training ist hart, aber Anna beißt sich durch. Sie ist kess und hat manchmal auch eine große Klappe – was ich als wirklich sehr schüchternes kleines Mädchen bewundere. Hätte ich nur auch solchen Biss. Dann hätte ich mich vielleicht auch bei meinen Eltern durchsetzen können. Denn natürlich wollte ich nach „Annas“ Vorbild auch tanzen lernen, Ballettstunden. Das vernichtende Urteil meines Vaters: „Aber fürs Ballett muss man doch dünn sein, das kannst Du nicht.“ Es tut sehr weh, wenn man als Kind gesagt bekommt „Du bist zu fett fürs Ballett“… Aber „Anna“ hat mir trotzdem ein bißchen Mut gemacht. 

Anna und die strenge Tanzlehrerin Irina Kralowa

Anna und ihre Lehrerinnen Irina Kralowa und Valentine D'Arbanville in Paris
 
Dann kam auch noch Dirty Dancing und Tanz bekam noch ein Gesicht. Und ich übte zuhause weiter, mit einer Kassette meiner Mama, mit einer alten Aufnahme von „Schwanensee“. In der Serie brilliert „Anna“ am Ende als einer der vier kleinen Schwäne. Ihre todkranke Lehrerin verfolgt hinter der Bühne den Auftritt ihrer geliebten Schülerin – und stirbt, still, leise.
In der kleinen Stadtbücherei lieh ich mir mehrere Male ein Ballettbuch für Kinder aus, übte die Grundpositionen, hüpfte, versuchte Spagat, die Geländerstange im Flur war meine Ballettstange. Ich „tanzte“ Mambo und träumte von Patrick Swayze. Auch er ist schon gestorben, an Krebs. So gehen die Helden der Kindheit. 

"Anna" in ihrem eigenen Kinofilm


Silvia Seidel soll zuletzt Alkoholprobleme gehabt haben, die Wirtin ihrer Stammkneipe war ihre einzige Vertraute. Sie war es auch, die Silvia als vermisst gemeldet hatte, nachdem sie mehrere Tage nicht erschienen war. Und weitere Details aus ihrem Leben werden breitgetreten, über den dominanten Vater, der die Gagen der Tochter verprasste und sie unter seiner Fuchtel hielt. Über die vorangegangenen Selbstmordversuche von Silvia Seidel seit Herbst letzten Jahres. Darüber, dass sie an Weihnachten einige Zeit in einer psychiatrischen Klinik verbracht hat. Ihr Partner hatte sie verlassen, angeblich, weil er mit ihren Depressionen nicht umgehen konnte. Bitter, irgendwie.
Doch ist das ein „Absturz“, wie die „Freizeit Revue“ angeblich schrieb? Ich finde, nein. Silvia Seidel hat sich behauptet, hat geschauspielert, konnte sich ihre Rollen am Theater oft sogar aussuchen. Und die psychischen Probleme? Noch immer wird das gern von der Regenbogenpresse ausgeschlachtet. Aber wieso verstehen noch immer viele Menschen nicht: Wenn man sich ein Bein bricht, kommt man ins Krankenhaus. Wenn die Seele krank ist, eben in eine psychiatrische Klinik. Hätte ich die Wahl zwischen einem Oberschenkelhalsbruch und Depressionen, ich würde den Bruch nehmen, an beiden Beinen. 



Zuletzt war für Silvia keiner da. Keiner der Kollegen, weder von früher noch von heute. Jeder klagt heute darüber, was für ein lieber Mensch Silvia doch war, wie beliebt und begabt. Und sie war doch immer so fröhlich gewesen. Ja, besonders depressive Menschen wirken auf ihr Umfeld oft sehr fröhlich und ausgelassen. Ich weiß das. Trotzdem gibt es Anzeichen, die nahestehende Menschen sehen und erkennen können. 

Mich hat der einsame Tod von Silvia Seidel sehr traurig gemacht. Und mir so manche Kindheitsillusion geraubt. Trotzdem erinnere ich mich noch immer gerne an Silvia und Anna zurück. Ich habe mir vor einiger Zeit sogar wieder die Bücher besorgt, die ich als Kind so geliebt habe. Und ich schaue mir „Anna“ immer mal wieder an, weil ich so schöne Erinnerungen damit verbinde. Mit Kindsein, mit Mut, mit Begeisterung. Silvia Seidel hatte all das nicht mehr. Ich hätte ihr gerne etwas abgegeben von dem bißchen, das ich noch habe. 

  


Herzlichst,
Klara


Bei "Beckmann" 2004 spricht Silvia Seidel offen über ihre Rolle, über ihr Leben nach "Anna" und die Schattenseiten des Erfolgs.

6. August 2012

Todestage und andere Jubiläen...

Wien schwelgt dieses Jahr im Klimt-Jahr. Regenschirme, Topfuntersetzer, Bodenvasen und Klopapier, alles im Klimt-Look zu haben. Eine Ausstellung nach der anderen über den "Jahrhundertkünstler" - Jahrhundert offensichtlich, aber für mich ist Klimt nicht viel mehr als ein Maler dekorativer Borten und Bildchen... nun, darüber läßt sich streiten.

Auch Mozartjahre sind äußerst beliebt, und meine "Abitursstadt" wollte sogar aus der Tatsache, dass Goethe vor 200 Jahren mal durch die Altstadt gefahren ist, und der Kleinstadt am Fuße der schwäbischen Alb zwei Zeilen in seinem Reisebericht gewidmet hat, ein ganzes Goethefest machen - obwohl diese beiden Zeilen nichtmal besonders schmeichelhaft waren. Glücklicherweise scheint damals doch noch jemand einen hellen Moment gehabt zu haben, das Fest fand dann doch nicht statt.



Gestern, am 5. August 2012, gab es ein weiteres Jubiläum: Marilyn Monroes 50. Todestag. Bis heute ist nicht geklärt, ob Marilyn Selbstmord beging oder ob sie von den Kennedys oder aber - noch wahrscheinlicher - deren politischen Gegnern ermordet wurde. Fakt ist, dass viele merkwürdige Dinge rund um Marilyns Tod geschahen, Beweise verschwanden oder wurden gar nicht erst aufgenommen, und auch wie die extrem hohe Dosis Barbiturate, die vermutlich sogar einen Elefanten hätte töten können, in ihren Körper gelangen konnte, bleibt nicht restlos geklärt, keine Erklärung scheint schlüssig.



Natürlich wurden auch zu Marilyn "Ehrentag" einige (ältere) Dokumentationen ausgegraben, und das Fernsehen zeigte (und zeigt noch in den nächsten Tagen) ein paar ihrer Filme. Besonders die Filmauswahl scheint bisweilen merkwürdig, der von Marilyn selbst gehasste Otto-Preminger-Western "River of no return" wurde gezeigt, außerdem der putzige, aber nicht besonders gute "Ladies of the chorus", während "The Misfits" auf keinem Sender Beachtung fand, obwohl er Marilyn als das zeigt, was sie immer sein wollte: Eine Schauspielerin, keine blonde Sexbombe.



Ganz fürchterlich schlecht fand ich allerdings die 1-stündige Dokumentation, die gestern auf ORF2 gesendet wurde: "Marilyn gegen Monroe" von Patrick Jeudy (Regie) und Andrzej Jeziorek (Buch). Die französische Dokumentation aus dem Jahr 2002 wollte insbesondere die Beziehung von Marilyn zu ihrem Photographen und Freund Milton Greene beleuchten, der sie unzählige Male und wie kein anderer vor der Photokamera inszenierte, mit dem sie ihre eigene Produktionsfirma "Marilyn Monroe Productions" gründete und bei dem sie einige Zeit in New York lebte - vielleicht die glücklichste Zeit ihres Lebens als Star.




Positiv sind sicher die vielen Photoaufnahmen Greenes, die die Doku zeigt, aber der Inhalt scheint mir doch bisweilen fragwürdig. Eine Abtreibung ist nunmal keine Fehlgeburt, und beides in einen Topf zu werfen stößt mir sehr sauer auf. Viele Aussagen Marilyns sind falsch oder verzerrt übersetzt, was jedem, der des Englischen mächtig ist und den Originalton (der immerhin zum Glück erhalten blieb und nicht synchronisiert wurde) mit den eingeblendeten deutschen Untertiteln vergleicht unschön auffallen muss.



Aber vor allem: Was, lieber Herr Jeudy, sollen die unzähligen und völlig sinnfrei und unmotiviert eingebauten Bilder, die nun mit Marilyn rein gar nichts zu tun haben? Minutenlang tummeln sich Schlammcatcher, Boxer, Passanten auf der Strasse und kleine Buben in Badeanzügen im Bild, wild zusammengeschnitten, mit etwas Hintergrund"musik" garniert. Was das mit der Dokumentation selbst zu tun haben woll, bleibt unklar, denn die einzige Verbindung dieser Bilder mit Marilyn Monroe könnte sein, dass auch diese Aufnahmen aus den 1950er Jahren stammen - das wars dann aber auch schon. Handelt es sich dabei um die gerühmten "bisher unveröffentlichten Aufnahmen", die zu sehen sein sollen? Oder hat Patrick Jeudy einfach einige Lückenfülle gebraucht, um die Spielzeit von 60 Minuten voll zu kriegen?



Aber auch der Informationsgehalt bleibt recht dürftig. Jeudy und Jeziorek beschränken sich auf ein paar Fakten, während sie wiederum andere einfach weglassen. Eine tiefergehende Analyse auch nur zu irgendeinem Aspekt aus Marilyns Leben fehlt völlig - aber gerade das würde doch erst interessant. Dass Marilyn als ernsthafte Schauspielerin gesehen werden wollte, wissen wir schon lange, und auch Patrick Jeudy wird und wird nicht müde, das betonen zu lassen, durch seinen Sprecher und durch Marilyn im O-Ton selbst - warum aber hat sie sich dann doch meist dazu hinreißen lassen, doch wieder in der Öffentlichkeit die Sexgöttin zu geben? Warum strahlt sie, lacht sie, posiert sie als wäre sie der Sonnenschein selbst, sobald eine Kamera auf sie gerichtet wird? Hier klaffen Text und Bild extrem auseinander, und während der Sprecher mir erzählt, wie schlecht es Marilyn zu diesem Zeitpunkt ging, sehe ich sie Kußmünder machen und kichern wie ein übermütiger Teenager.

Marilyn Monroe und Milton Greene
 
Ich mache mir über diese sehr auffällige Tatsache durchaus meine Gedanken... hätte das aber eben auch von den Machern dieser Doku erwartet, anstatt mir wieder einen Reigen unmotivierter Found-Footage- Aufnahmen zu zeigen. Und was Schlammcatcher mit Marilyn zu tun haben, bleibt weiter im Dunkeln - wie so vieles über ihr Leben, ihren Tod...

Herzlichst,
Klara