25. Juni 2012

Die Konkurrenz schläft nicht...

Ja, die Konkurrenz. Leidiges Thema für jeden Selbständigen und Freiberufler. Ein großer Teil meines - und sicher jedes - Businessplans widmete sich der Betrachtung und Beobachtung meiner direkten und indirekten Konkurrenz. Viel viel Recherche. Was machen die anderen? Wie machens die anderen? Kann ich mir von denen was abgucken, positiv wie negativ? Und: Wie teuer sind die anderen?




Denn die Konkurrenz ist natürlich auch entscheidend für die Preisgestaltung... und auch heute noch, ein gutes Jahr nach meiner Existenzgründung, beobachte ich natürlich die Preisgestaltung und Preisentwicklung bei meinen Konkurrenten. Eine hat kürzlich die Preise für einen von ihr viel verkauften Haarreifen gleich um einen ganzen Euro angehoben. Brauthaarschmuck wird teilweise zu mir unverständlichen horrenden Preisen angeboten, bei denen meiner Meinung nach das Verhältnis von Preis und Leistung schon sehr auseinander klafft.

Dabei finde ich teure Konkurrenten weniger schlimm, denn sie erlauben mehr Spielraum in der eigenen Kalkulation. Schließlich möchte und muss jeder auch ein wenig mehr verdienen und nicht nur die Kosten abdecken. Ist mein direkter Konkurrent aber so teuer, dass ich es eindeutig als zu viel empfinde, kann ich guten Gewissens diesen Preis etwas unterbieten.

Was aber, wenn es Konkurrenten gibt, die ihre Waren zu Dumpingpreisen anbieten? Damit meine ich in diesem Falle nicht Billiganbieter aus China und Bangladesch, weil diese ihre "fertigen" Produkte in der Regel nicht auf dem "handmade"-Markt anbieten. Ich meine in diesem Fall besonders die vielen Hausfrauen, die aus Spaß ein bißchen basteln und stricken und diese Sachen dann zu Spottpreisen bei Dawanda, vondir, ebay und Co. anbieten. Da findet man handgestrickte Socken für 5 Euro - soviel kostet allein schon die Wolle! Was aber ist mit den rund 6-8 Stunden Arbeitszeit? Woanders findet man eine gehäkelte Stola für 25 € - auch nicht viel mehr als das Material, aber auch hier beträgt die Arbeitszeit mindestens 10 Stunden. Für die häkelnde Hausfrau mag es befriedigend sein, wenn sie außer den Materialkosten noch 5 oder 10 € dazuverdient, schließlich macht sie es ja aus Spaß und hat schon so viele Häkelstolen zuhause, dass Schränke und Verwandte überquellen.
Man könnte auch meinen, ist ja allein ihr Problem, wenn sie die Sachen so günstig anbietet. Aber so einfach ist es eben nicht. Denn durch diese Dumpingpreise ist es auch den "professionellen Anbietern", die von ihrer Arbeit Leben wollen und müssen, fast unmöglich, für ein vergleichbares Stück einen angemessenen Preis zu verlangen. Denn wo würdet ihr kaufen, wenn ihr gleichwertige Stolen einmal für 25€ und einmal für 150€ (und das ist schon ein Preiszugeständnis!) haben könntet?



Denn ein günstiger Preis bedeutet in diesem Fall auch nicht, dass die so günstige Ware qualitativ schlechter ist. Nur macht die bastelnde Hausfrau das Ganze zum Spaß, und nicht, um davon zu leben. Sie muss auch keine Umsatzsteuern in ihre Preise einkalkulieren. Denn von den 150€ der teuren Stola wandern 19% direkt in die Hände des Finanzamtes - in diesem Beispiel ganze 23,95€, also fast so viel, wie die günstige Stola kostet.

Do not underestimate the value of your work! To do so, you will not only harm yourself, but the others as well... Unterbewerte niemals den Wert deiner eigenen Arbeit! Wenn du das tust, schadest du nicht nur dir selbst, sondern auch allen anderen...

Denn: Wenn solche Dumpingpreise insbesondere im Handmade-Bereich existieren, werden auch die (potentiellen) Kunden kein Gespür für den Wert dieser Produkte haben - und nicht oder zumindest weniger bereit sein, einen höheren, aber angemessenen Preis zu bezahlen.

Ich glaube, dass das auch einer der Gründe - und einer der wichtigsten - ist, weshalb Menschen, die einen "kreativen" Beruf ausüben, so oft Schwierigkeiten haben, einen angemessenen Preis für ihre Arbeit zu bekommen. Viele plagen sich damit herum, dass einige Menschen davon ausgehen, dass "Kreative" sogar umsonst arbeiten. Mittlerweile gibt es sogar ein passend bedrucktes T-Shirt - und ich spiele schon länger mit dem Gedanken, mir dieses zu besorgen, obwohl ich sonst kein Fan bedruckter Shirts bin...

Ich bin Künstler*. Das bedeutet nicht, dass ich kostenlos arbeite. Ich habe Rechnungen zu bezahlen, genau wie du. Danke für dein Verständnis. (*Wobei "artist" im englischen weiter gefasst ist, als das deutsche Wort "Künstler" und nicht nur "bildende Künstler" meint, sondern jeden mit einer "kreativen" Arbeit, also z.B. auch Kunsthandwerker, "Designer" etc.) 




Und was ist mit der Billigkonkurrenz? Einer meiner indirekten Konkurrenten ist z.B. Bijou Brigitte. Die bieten Haarreifen mit großen Schleifen für 4 Euro an, ich muss zwischen 16 und 20 € verlangen. Trotzdem sehe ich Läden wie Bijou Brigitte nicht als ernste Konkurrenz, sondern eben nur indirekte, denn es fällt mir leicht, meine Produkte positiv von deren Sachen abzuheben und meinen höheren Preis zu rechtfertigen. Denn Bijou Brigitte verkauft nun einmal billig hergestellte Massenware, man sieht es meistens den Materialien an, die Verarbeitung ist nicht immer gut und - es passiert nun einmal laufend, dass dir jemand mit exakt demselben Haarschmuck oder Schmuckstück über den Weg läuft... Änderungen? Ich hätte gern diesen Haarreif, aber in einer anderen Farbe? Geht natürlich nicht. Pech gehabt.

Massenware...

Auch bei den "bastelnden Hausfrauen" gibt es natürlich unendlich viele, deren Produkte nicht unbedingt qualitativ hochwertig, schön gestaltet oder individuell und einfallsreich sind. Ich habe da schon so einige Sachen gesehen... bei denen ich mir ehrlich dachte: Ja, nett als Geschenk in der eigenen Verwandtschaft oder für den nächsten Kirchenbasar und gut gemeint - aber zum Verkauf anbieten? Trotzdem haben manche dieser VerkäuferInnen großen Erfolg mit ihren Shops! Das ist aber erschöpfendes Thema für einen eigenen Post...
Sehr viele bieten aber qualitativ absolut hochwertige, gut verarbeitete und schöne Sachen an - leider eben zu Dumpingpreisen...

Bastelei


Man verstehe mich jetzt auch bitte nicht falsch. Ich habe nichts gegen bastelnde Hausfrauen, die ihre Produkte im eigenen Onlineshop anbieten. Ich finde es unbedingt begrüßenswert, wenn jeder Mensch sich in irgendeiner Form "kreativ" betätigt, egal, ob das nun Karten basteln, stricken, "Gedichte" schreiben, handwerken oder einen Garten anlegen bedeutet. Aber nicht jedes dieser Produkte ist für den Verkauf bestimmt... Und wenn ihr eure gebastelten Sachen verkauft - achtet bitte auf einen angemessenen Preis! Denn ihr tut niemandem einen Gefallen...

Denn das Resultat sind leider auch Kunden, die keinerlei Gespür für den Wert der angebotenen Waren haben. Die "handmade" als billige Bastelei ansehen anstatt für das, was es ist: Hochwertige, einzigartige Produkte, die das Leben bereichern. Auf einem Markt hatte eine Frau mittleren Alters ein gehäkeltes Halsband von mir in die Hand genommen, von allen Seiten betrachtet, und sich lauthals an ihre Begleiterin gewandt: "Ach, das ist ja toll! Weißt du was? Nebenan wohnt so eine türkische Oma, ich frag die einfach, ob die mir mal sowas häkelt! Die macht das bestimmt umsonst!"
Liebe Leute: Schämt ihr euch nicht für ein solches Verhalten? Bringt ihr eurem Umfeld so wenig Wertschätzung entgegen? Ich war in dem Moment leider so perplex, dass mir nicht einmal eine passende Erwiderung eingefallen ist. Aber Schlagfertigkeit ist ja ohnehin meistens das, was einem auf dem Nachhauseweg einfällt...



In diesem Sinne: Erkenne Deinen Wert!

Herzlichst,
Klara

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