29. Juni 2012

DIY: Crochet choker or headband

It's been a while since my last free crochet tutorial, and in fact I wanted to post this one some time ago, but couldn't find the time to finish it... so here it is at last, a romantic crochet choker with satin ribbon. If you simply crochet a longer band, you can also use this pattern to make a nice headband!


There are two versions of this design, a simple one with just the band without the shells on the edges, or the version you see on the above photo, with a scallop made of little shells.

I used standard cotton crochet thread and a size 8 hook (US sizes, would be 1,5mm). Checking your gauge is not necessary, just make the band as long as you like, that is a bit shorter than your neck (or head) circumference.

I use US crochet terms:


Ch 13
Row 1: dc in 5th chain after hook, dc in each ch across (10 dc), turn
Row 2: ch 3 (count as first dc), skip first dc, dc in next dc, ch 6, skip 6 dc, dc in next 2 dc, turn
Row 3: ch 3 (count as first dc), sk 1st dc, dc in each stitch across, turn (10 dc made)
Next rows: Repeat row 2 and 3 until you have reached your desired length, end with a "row 3". You should have an even number of “holes”! 



If you wish to just make the simple version of this design, you are already done. Fasten off, weave in all ends. Weave a satin ribbon through the “holes”, it should be long enough to fit comfortably around your neck (or head) including the length needed to tie a bow. You can seal the end of your ribbon with a flame (if you use synthetics only!)

the simple version


The scallop:
If you wish to do the version with the shells, do NOT fasten off after crocheting the band! Continue down the long side of your band, you will make the shells in between the first two dc at the beginning and end of the previous rows, around the "stem" of the first dc of row. It may sound complicated, but it’s really simple to make. See illustration for help.

Ch 2, 5 dc (shell) around the post of first dc of your last “row 2” you previously made, sc around post of dc of next “row 3”, *shell around post of first dc of next row, sc around post of dc of next row* continue until you have reached the end of this side. Ch 1, sl st in every st across short side of band, work along the other long side of your band the same way as before, fasten off, weave in all ends. 




Weave in your satin ribbon and you’re done! 




Happy crocheting!

Love,
Klara



(c) Klara Kleingeld 2012. You may use this tutorial to make items for personal use. You can use this to make items for sale on craft fairs, etsy and the like, but if you do so please give me credit and link back to my blog. You may NOT sell this pattern or parts of it! This tutorial is not for mass production!




DIY: Gehäkeltes Halsband (oder Haarband!)

 

Die Anleitung für dieses gehäkelte Halsband liegt nun schon seit einiger Zeit halbfertig auf meinem Rechner brach... zu schade drum! Jetzt habe ich mich endlich aufgerafft und das Tutorial fertig gestellt. Das Halsband kann in zwei Varianten gehäkelt werden, die einfache Version oder die aufwendigere mit Bogenkante aus kleinen Muschelmustern. Und es muss auch kein Halsband sein: Das Muster sieht auch als romantisches Haarband hübsch aus!

Die Länge ist variabel, da es hinten einfach mit dem durchgezogenen Satinband zur Schleife geschlossen wird.

Gehäkelt wird das Hals- oder Haarband aus feinem Baumwollhäkelgarn, Stärke 10, also das typische "Standardhäkelgarn". Ein Rest reicht aus, der Verbrauch ist nicht sehr hoch. Ich habe ein zartes Pastellgrün verwendet, aber auch in knalligen Farben oder schwarz wirkt es toll. Und aus weißem Häkelgarn wird z.B. auch ein hübsches Haarband für die Kommunion draus?!

Ich habe mit einer Häkelnadel der Stärke 1,5 gehäkelt. Eine Maschenprobe ist nicht erforderlich.

Die genaue Anleitung:


13 LM
Reihe 1: Stb in fünfte LM nach der Nadel, Stb in jede weitere LM der Grundkette, wenden (10 Stb)
Reihe 2: 3 LM (zählen als erstes Stb), erste Masche überspringen, Stb in nächste Masche, 6 LM, 6 Maschen der Vorreihe überspringen, Stb in letzte Masche, Stb in oberste LM der Wendekette, wenden (10 Maschen)
Reihe 3: 3 LM (zählen als erstes Stb), erste Masche überspringen, Stb in nächste Masche, 6 Stb in 6-LM-Bogen (oder 1 Stb in jede der 6 Luftmaschen), Stb in letzte Masche, Stb in oberste Masche der Wendekette, wenden (10 Stb)

Folgende Reihen: Reihe 2 und 3 wiederholen, bis gewünschte Länge erreicht ist (etwas kürzer als der Halsumfang), mit einer „Reihe 3“ enden. Auf eine gerade Anzahl von „Löchern“ im Band achten!



Die einfache Variante des Halsbandes ist jetzt schon fertig gehäkelt. Faden verwahren. Alle Fadenenden vernähen. Ein Satinband (Breite 1,5 cm) durch die Öffnungen im Band weben, das Band lang genug abmessen, damit Du es hinten zur Schleife binden kannst, um das Halsband zu schließen. Enden des Satinbandes vorsichtig mit Hilfe einer Kerze oder eines Feuerzeuges abschmelzen, um ein Ausfransen des Bandes zu verhindern (Nur bei Bändern aus Kunstfasern!)

Die einfache Variante ohne Bogenkante



Bogenkante:
Wenn Du die Bogenkante anhäkeln möchtest, Faden nach Fertigstellen des „Grundbandes“ NICHT verwahren. Jetzt wird an der Längsseite des Bandes entlang gehäkelt, dabei wird jeweils zwischen die beiden Stäbchen am Rand jeder Reihe eingehäkelt (siehe Häkelschema) 



2 LM, 5 Stb (Muschel) zwischen die beiden Randstäbchen der ersten „Reihe 2“ des Grundbandes (die mit der Öffnung) um den "Stamm" des Randstäbchens herum, fM in die Öffnung zwischen den beiden Randstäbchen der nächsten Reihe, *Muschel zwischen Randstäbchen der „offenen“ Reihe, fm zwischen Randstäbchen der geschlossenen Reihe* bis zum Ende der Längsseite wiederholen.
1 LM, Kettmaschen entlang der kurzen Seite des Halsbandes arbeiten.
Auf die gleiche Weise Muscheln entlang der anderen Längsseite einarbeiten.

Fertigstellen wie bei der einfachen Variante ohne Bogenkante.

Wenn Du das Band länger häkelst, wird daraus auch ein romantisches Haarband! 


Ansicht von hinten

Gutes Gelingen! 

Wenn Du magst schicke mir gerne ein Photo Deiner Version dieser Anleitung, ich freue mich!

Herzlich,
Klara


(c) Klara Kleingeld 2012. Diese Anleitung ist für den Privatgebrauch. Falls Du Teile, die nach dieser Anleitung hergestellt sind, auf Märkten oder Plattformen wie DaWanda oder etsy verkaufen möchtest, erwähne bitte Klara Kleingeld als Urheberin und verlinke auf meinen Blog. Es ist Dir NICHT erlaubt, diese Anleitung selbst oder Teile daraus zu verkaufen. Diese Anleitung ist nicht für die Massenproduktion bestimmt.




25. Juni 2012

Die Konkurrenz schläft nicht...

Ja, die Konkurrenz. Leidiges Thema für jeden Selbständigen und Freiberufler. Ein großer Teil meines - und sicher jedes - Businessplans widmete sich der Betrachtung und Beobachtung meiner direkten und indirekten Konkurrenz. Viel viel Recherche. Was machen die anderen? Wie machens die anderen? Kann ich mir von denen was abgucken, positiv wie negativ? Und: Wie teuer sind die anderen?




Denn die Konkurrenz ist natürlich auch entscheidend für die Preisgestaltung... und auch heute noch, ein gutes Jahr nach meiner Existenzgründung, beobachte ich natürlich die Preisgestaltung und Preisentwicklung bei meinen Konkurrenten. Eine hat kürzlich die Preise für einen von ihr viel verkauften Haarreifen gleich um einen ganzen Euro angehoben. Brauthaarschmuck wird teilweise zu mir unverständlichen horrenden Preisen angeboten, bei denen meiner Meinung nach das Verhältnis von Preis und Leistung schon sehr auseinander klafft.

Dabei finde ich teure Konkurrenten weniger schlimm, denn sie erlauben mehr Spielraum in der eigenen Kalkulation. Schließlich möchte und muss jeder auch ein wenig mehr verdienen und nicht nur die Kosten abdecken. Ist mein direkter Konkurrent aber so teuer, dass ich es eindeutig als zu viel empfinde, kann ich guten Gewissens diesen Preis etwas unterbieten.

Was aber, wenn es Konkurrenten gibt, die ihre Waren zu Dumpingpreisen anbieten? Damit meine ich in diesem Falle nicht Billiganbieter aus China und Bangladesch, weil diese ihre "fertigen" Produkte in der Regel nicht auf dem "handmade"-Markt anbieten. Ich meine in diesem Fall besonders die vielen Hausfrauen, die aus Spaß ein bißchen basteln und stricken und diese Sachen dann zu Spottpreisen bei Dawanda, vondir, ebay und Co. anbieten. Da findet man handgestrickte Socken für 5 Euro - soviel kostet allein schon die Wolle! Was aber ist mit den rund 6-8 Stunden Arbeitszeit? Woanders findet man eine gehäkelte Stola für 25 € - auch nicht viel mehr als das Material, aber auch hier beträgt die Arbeitszeit mindestens 10 Stunden. Für die häkelnde Hausfrau mag es befriedigend sein, wenn sie außer den Materialkosten noch 5 oder 10 € dazuverdient, schließlich macht sie es ja aus Spaß und hat schon so viele Häkelstolen zuhause, dass Schränke und Verwandte überquellen.
Man könnte auch meinen, ist ja allein ihr Problem, wenn sie die Sachen so günstig anbietet. Aber so einfach ist es eben nicht. Denn durch diese Dumpingpreise ist es auch den "professionellen Anbietern", die von ihrer Arbeit Leben wollen und müssen, fast unmöglich, für ein vergleichbares Stück einen angemessenen Preis zu verlangen. Denn wo würdet ihr kaufen, wenn ihr gleichwertige Stolen einmal für 25€ und einmal für 150€ (und das ist schon ein Preiszugeständnis!) haben könntet?



Denn ein günstiger Preis bedeutet in diesem Fall auch nicht, dass die so günstige Ware qualitativ schlechter ist. Nur macht die bastelnde Hausfrau das Ganze zum Spaß, und nicht, um davon zu leben. Sie muss auch keine Umsatzsteuern in ihre Preise einkalkulieren. Denn von den 150€ der teuren Stola wandern 19% direkt in die Hände des Finanzamtes - in diesem Beispiel ganze 23,95€, also fast so viel, wie die günstige Stola kostet.

Do not underestimate the value of your work! To do so, you will not only harm yourself, but the others as well... Unterbewerte niemals den Wert deiner eigenen Arbeit! Wenn du das tust, schadest du nicht nur dir selbst, sondern auch allen anderen...

Denn: Wenn solche Dumpingpreise insbesondere im Handmade-Bereich existieren, werden auch die (potentiellen) Kunden kein Gespür für den Wert dieser Produkte haben - und nicht oder zumindest weniger bereit sein, einen höheren, aber angemessenen Preis zu bezahlen.

Ich glaube, dass das auch einer der Gründe - und einer der wichtigsten - ist, weshalb Menschen, die einen "kreativen" Beruf ausüben, so oft Schwierigkeiten haben, einen angemessenen Preis für ihre Arbeit zu bekommen. Viele plagen sich damit herum, dass einige Menschen davon ausgehen, dass "Kreative" sogar umsonst arbeiten. Mittlerweile gibt es sogar ein passend bedrucktes T-Shirt - und ich spiele schon länger mit dem Gedanken, mir dieses zu besorgen, obwohl ich sonst kein Fan bedruckter Shirts bin...

Ich bin Künstler*. Das bedeutet nicht, dass ich kostenlos arbeite. Ich habe Rechnungen zu bezahlen, genau wie du. Danke für dein Verständnis. (*Wobei "artist" im englischen weiter gefasst ist, als das deutsche Wort "Künstler" und nicht nur "bildende Künstler" meint, sondern jeden mit einer "kreativen" Arbeit, also z.B. auch Kunsthandwerker, "Designer" etc.) 




Und was ist mit der Billigkonkurrenz? Einer meiner indirekten Konkurrenten ist z.B. Bijou Brigitte. Die bieten Haarreifen mit großen Schleifen für 4 Euro an, ich muss zwischen 16 und 20 € verlangen. Trotzdem sehe ich Läden wie Bijou Brigitte nicht als ernste Konkurrenz, sondern eben nur indirekte, denn es fällt mir leicht, meine Produkte positiv von deren Sachen abzuheben und meinen höheren Preis zu rechtfertigen. Denn Bijou Brigitte verkauft nun einmal billig hergestellte Massenware, man sieht es meistens den Materialien an, die Verarbeitung ist nicht immer gut und - es passiert nun einmal laufend, dass dir jemand mit exakt demselben Haarschmuck oder Schmuckstück über den Weg läuft... Änderungen? Ich hätte gern diesen Haarreif, aber in einer anderen Farbe? Geht natürlich nicht. Pech gehabt.

Massenware...

Auch bei den "bastelnden Hausfrauen" gibt es natürlich unendlich viele, deren Produkte nicht unbedingt qualitativ hochwertig, schön gestaltet oder individuell und einfallsreich sind. Ich habe da schon so einige Sachen gesehen... bei denen ich mir ehrlich dachte: Ja, nett als Geschenk in der eigenen Verwandtschaft oder für den nächsten Kirchenbasar und gut gemeint - aber zum Verkauf anbieten? Trotzdem haben manche dieser VerkäuferInnen großen Erfolg mit ihren Shops! Das ist aber erschöpfendes Thema für einen eigenen Post...
Sehr viele bieten aber qualitativ absolut hochwertige, gut verarbeitete und schöne Sachen an - leider eben zu Dumpingpreisen...

Bastelei


Man verstehe mich jetzt auch bitte nicht falsch. Ich habe nichts gegen bastelnde Hausfrauen, die ihre Produkte im eigenen Onlineshop anbieten. Ich finde es unbedingt begrüßenswert, wenn jeder Mensch sich in irgendeiner Form "kreativ" betätigt, egal, ob das nun Karten basteln, stricken, "Gedichte" schreiben, handwerken oder einen Garten anlegen bedeutet. Aber nicht jedes dieser Produkte ist für den Verkauf bestimmt... Und wenn ihr eure gebastelten Sachen verkauft - achtet bitte auf einen angemessenen Preis! Denn ihr tut niemandem einen Gefallen...

Denn das Resultat sind leider auch Kunden, die keinerlei Gespür für den Wert der angebotenen Waren haben. Die "handmade" als billige Bastelei ansehen anstatt für das, was es ist: Hochwertige, einzigartige Produkte, die das Leben bereichern. Auf einem Markt hatte eine Frau mittleren Alters ein gehäkeltes Halsband von mir in die Hand genommen, von allen Seiten betrachtet, und sich lauthals an ihre Begleiterin gewandt: "Ach, das ist ja toll! Weißt du was? Nebenan wohnt so eine türkische Oma, ich frag die einfach, ob die mir mal sowas häkelt! Die macht das bestimmt umsonst!"
Liebe Leute: Schämt ihr euch nicht für ein solches Verhalten? Bringt ihr eurem Umfeld so wenig Wertschätzung entgegen? Ich war in dem Moment leider so perplex, dass mir nicht einmal eine passende Erwiderung eingefallen ist. Aber Schlagfertigkeit ist ja ohnehin meistens das, was einem auf dem Nachhauseweg einfällt...



In diesem Sinne: Erkenne Deinen Wert!

Herzlichst,
Klara

21. Juni 2012

Hoch.Zeiten

Zur Zeit schwelge ich in Brauthaarschmuck... außerdem liebe ich nunmal Haarblüten in allen möglichen Varianten, von edel bis verspielt, von romantisch bis vintage...

Hier nochmal ein paar Impressionen

Lotusblüte aus cremefarbenem Taft in Wildseidenoptik

Große Seerose aus weißem Taft


Die Grundidee für diese Art Blüten habe ich hier schon einmal vorgestellt. Ich habe vor einiger Zeit dieses Tutorial im Netz entdeckt und habe die Größe und Form der Blüten individuell abgewandelt, die Grundidee der Herstellung habe ich übernommen. Ist zwar ziemlich aufwendig, aber es lohnt sich!

Eine andere Idee für Haarblüten sind diese Stücke:



Für diese Art Blüten kursieren zahlreiche gute Anleitungen im Netz, meist auf englisch. Viele nutzen Varianten oder schneiden ihre Stoffe unterschiedlich zu. Ein Tutorial für ähnliche Stoffblüten findest Du auch hier im Blog. Das "Geheimnis" sind die angeschmolzenen Stoffkanten, die diesen Blüten ihre einzigartige und "fluffige" Optik verleihen. Es erfordert zwar schon etwas Fingerspitzengefühl, die Kanten so zu schmelzen, dass die Stoffstücke die richtige Form bekommen, ohne den Stoff oder sich die Finger zu versengen, aber im Prinzip sind diese effektvollen Blüten recht einfach herzustellen... die Anforderung ist vielmehr, eine schöne Farb- oder Stoffkombination zusammenzustellen und der Blüte gute Proportionen zu verleihen.

Wichtig ist: Man kann nur Stoffe aus Kunstfasern, vorzugsweise Polyester, verwenden. Naturfasern brennen anstatt zu schmelzen...

Eine andere Variante mit geschmolzenen Stoffen sind diese Blüten:



Hier habe ich den Stoff allerdings etwas anders zugeschnitten, jedes Blütenblatt wird einzeln verarbeitet, und die Blüte im ganzen auch etwas anders zusammengesetzt. Wie, das bleibt allerdings in diesem Fall mein Geheimnis...

Und hier noch eine Variante mit Seide:



Bei diesen Blüten ist es gerade andersherum: Kunstfasern funktionieren für diese Technik NICHT, am besten funktioniert es mit schöner fester Dupionseide. Das Geheimnis ist: Sehr viel Stärke! Seide und Wäschestärke harmonieren allerdings nicht immer gut. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit reiner Reisstärke gemacht. Die Blüten haben in der Mitte eine kleine Verzierung aus Hutnetz und ein handbesticktes Filzelement. Ich finde sie wundervoll - und so richtig schön "vintage"... mehr von dieser Sorte kommen ganz sicher bald! Und vielleicht verrate ich auch noch, wo ich die Idee für diese Seidenblumen gefunden habe... ;)

Herzlichst,
Klara



18. Juni 2012

The price you pay...

Immer wieder mal kommt es vor, dass mich Leute auf meine Preise ansprechen. "Ansprechen" ist dabei teilweise leider nett ausgedrückt.
Zu meinen Kanzashi-Workshops bringe ich gerne Teilchen mit, die ich gemacht habe, in erster Linie als Anschauungsmaterial und zur Inspiration, aber natürlich ist es durchaus auch möglich, diese käuflich zu erwerben. Insbesondere jüngere TeilnehmerInnen empfinden dabei meine Preise immer wieder als zu hoch. "Ihre Preise sind ja unverschämt!" durfte ich mir im Frühjahr sogar von einer 13jährigen anhören, und eine Teilnehmerin auf der Yukicon hat mir sogar dreist vorgeschlagen, nachdem ich dankend ablehnte, ihr eine aufwendige Haarspange zu schenken, sie könnte ja die Haarspange, die ihr so gut gefällt, einfach klauen und ich könnte sie im Gegenzug ja "nicht dafür anzeigen"...

Was ist nun ein realistischer und was ein unverschämter Preis? Das Empfinden geht scheinbar sehr weit auseinander, und während viele Menschen, ohne einen Gedanken darüber zu verschwenden, gerne für eine Gucci-Sonnenbrille 200€ und mehr auf den Ladentisch blättern (für eine Brille, die letztenendes auch nur aus Plastik ist...), empfinden sie wiederum 8,90€ für ein H&M T-Shirt zu teuer.



Einen angemessenen Preis für die eigene Arbeit zu finden, ist tatsächlich auch für viele meiner "Kollegen" ein großes Problem. Die Kalkulation ist dabei im Prinzip einfach: Materialkosten, Arbeitszeit, Umsatzsteuern, Gewinnspanne, fertig ist der Preis. Oder etwa nicht? Denn wie veranschlage ich meine eigene Arbeitszeit? Als Studentin habe ich Nebenjobs absolviert, in denen ich um 8 € pro Stunde verdient habe. Da war ich aber Studentin, musste von diesen 8 € weder Steuern noch Krankenversicherung bezahlen. Realistisch für einen Selbständigen sind mindestens 20€/Stunde. Und es wird sehr viele Angestellte und Arbeiter geben, die einen sehr viel höheren Stundenlohn erhalten...
Aber ist es damit getan, nur die reine Arbeitszeit zu berücksichtigen, die ich an einem bestimmten Stück arbeite? Was ist mit der Zeit, die ich benötige, um neue Sachen zu entwerfen? Die Zeit, die es braucht, diese Sachen zu photographieren und im Shop einzupflegen? Die Zeit, die es kostet, Material zu besorgen? Wer nicht gleich den erstbesten Preis akzeptieren möchte oder kann, verbringt mitunter Stunden mit der Recherche nach dem günstigsten Händler, der besten Qualität oder einem passenden Großhandel. Kein Wunder also, dass viele ihre mühsam zusammen gesuchten Händleradressen ungern weitergeben und diese Geheimnisse wie kleine Schätze hüten...


Bei einem anderen kleinen offenen Workshop bestand mein Angebot darin, mit den Teilnehmern zum Preis von 5€ pro Stück eine Kanzashi-Haarspange oder Brosche zu basteln. Ein Vater, dessen Tochter gerne teilnehmen wollte, machte mich unsanft darauf aufmerksam, dass das doch ein bißchen teuer sei, immerhin basteln die Kinder ja selbst. Ja, das schon, aber es dauert im Durchschnitt 30 Minuten, bis die Kinder ihre Haarspange glücklich strahlend in Händen halten - auch meine Arbeitszeit. Ich benötige mehrere Stunden, um Stoffe und Zubehör zusammenzustellen und vorzubereiten. Dieses Material muss ich auch zuerst kaufen. Und nicht zuletzt teile ich mit diesen Kindern mein Wissen und Können, das ich über viele Monate selbst zusammengetragen, autodidaktisch erlernt und durch viel Übung vertieft habe. Davon abgesehen war ich insgesamt mehr als 4 Stunden unterwegs, um diesen Workshop überhaupt anbieten zu können... Dinge, die viele Menschen überhaupt nicht sehen.

Woran liegt es, dass wir zwar ohne Murren bereit sind, für teure Designerartikel unangemessen viel Geld auszugeben, Dinge, die trotz Designerlogo in Massen in Billiglohnländern hergestellt sind? Viele teure Designhäuser haben sich bereits für Kinderarbeit verantworten müssen - am Konsum der Kunden ändert es nichts.



Andererseits sind wir so verwöhnt durch Billigpreise von Discountern und Großhandelsketten, von Kik und C&A und H&M, dass viele Menschen einen höheren Preis als den von diesen Billiganbietern vorgegebenen kaum zu zahlen bereit sind. Warum sind diese Waren wohl so billig? Wie schafft es etwa H&M, ein T-Shirt für 4,90€ zu verkaufen? Wolfgang Uchatius hat sich 2010 für die Wochenzeitung "Die Zeit" auf Spurensuche gemacht... und einen ausführlichen, interessanten und heute nicht weniger aktuellen Artikel dazu geschrieben.



"Handmade" steht aber für andere Werte. Hier werden keine Massenprodukte möglichst billig produziert, im Gegenteil, häufig handelt es sich bei den Produkten um liebevoll hergestellte Einzelstücke oder zumindest Kleinstserien, der Kunde/die Kundin erhält ein Produkt, das es so nicht noch einmal gibt, ein Luxus, den sich sonst überwiegend (Super)reiche leisten können - trotzdem erkennen viele Menschen diesen Wert nicht.


Ein Kunsthandwerker hat nicht die Möglichkeit, seine Materialien in Großmengen zum günstigsten Preis zu erwerben. Statt ein paar Cent pro Meter Stoff - bei Abnahme eines ganzen Containers voll - bezahlen wir mit etwas Glück vergünstigte Preise für Geschäftskunden, oft aber den regulären Handelspreis. Wir entwerfen und fertigen jedes Produkt in Handarbeit selbst, wir photographieren es, pflegen es in unsere Onlineshops ein, denken uns Artikeltexte aus, kümmern uns um den Versand und besorgen Verpackungsmaterial, machen unsere Umsatzsteuervoranmeldung, kümmern uns ums Marketing und möchten manchmal alles an die Wand klatschen. Trotzdem möchte ich keinen anderen Beruf. Ich liebe meine Arbeit. Ich freue mich wie Bolle, wenn eine Kundin mir eine liebe Mail schickt und sich für die tollen Haarspangen oder Ohrringe bedankt oder mir sogar ein Photo schickt. Manchmal wünschte ich nur, mehr Menschen wären fähig, den Wert dieser Arbeit zu erkennen und zu honorieren.


Herzlichst,
Klara

P.S. Zum Thema Preisgestaltung, zur Erfahrung mit Kunden und Preisen und so weiter gibt es noch viel zu sagen. Vielleicht wird eine kleine Serie in diesem meinem Blog daraus. Wenn sich noch jemand anderes zu diesem Thema äußern möchte, freue ich mich über Kommentare. Und noch mehr freue ich mich über GastautorInnen! Falls Du also Lust hast, einen Text zum Thema zu verfassen, egal ob als "KollegIn" oder KundIn, melde Dich bei mir!

14. Juni 2012

Frühjahrsputz!

Gut, etwas spät für einen Frühjahrsputz... aber das Wetter fühlt sich zur Zeit ohnehin eher an wie März...
Jedenfalls miste ich gerade meine Bestände aus und jetzt landet einiges an Material im Shop. Vor allem Schmuckteile, Perlen und ähnlicher Kleinkram wird gerade aussortiert. Ich komme vom Schmuck herstellen selbst gerade ein wenig ab und habe so einiges an schönen Sachen, für die ich einfach keine Verwendung mehr habe. Deswegen für euch eine gute Gelegenheit, günstig einiges an schönen Schmuckteilen zu bekommen.

Zeigt mir doch mal eure Kreationen!

Lucite-Blüten in verschiedenen Farben

Bronzefarbene Haarspangen
Kleine Resin-Cabochons

Ohrhaken

Perlkappen

Verschlüsse


13. Juni 2012

Kanzashi und kein Ende...

... die Arbeit am E-Book geht voran. Wenn es sich nur nicht manchmal so ziehen würde... :)

Jede Menge Photos machen, die wieder nachbearbeiten, zusammenstellen, Text dazu schreiben... in einem solchen Projekt steckt wirklich sehr viel Arbeit. Aber ich freue mich schon auf das Endergebnis, und hoffe, ein wirklich benutzerfreundliches, schönes Buch mit vielen nützlichen Anleitungen und Ideen zusammenzustellen.

Dafür gibts hier schonmal ein paar Impressionen traditioneller japanischer Kanzashi...




Herzlichst,
Klara

12. Juni 2012

Gloria Swanson...

... eine der größten Diven des ganz alten Hollywood.


Gloria May Josephine Svensson wurde am 27. März 1899 in Chicago geboren. Ihre Filmkarriere begann sie um 1913 als Statistin - wurde aber nach ihrem Wechsel zur Paramount und vor allem durch den Regisseur Cecil B. DeMille schnell einer der größten Stars des Stummfilms. In zahlreichen Komödien spielte sie die selbstbewusste Frau der Gesellschaft, und auch der Wechsel zum Tonfilm gelang ihr gut. Für ihre Rolle in "the Trespasser" wurde sie für einen Oscar nominiert. Dennoch verlor das Publikum nach und nach das Interesse an Gloria Swanson - der Geschmack hatte sich gewandelt.
Gloria spielte nach ihren weitgehenden Rückzug aus dem Filmgeschäft gelegentlich Theater, entwarf eine Kleiderkollektion, arbeitete für den Rundfunk und entdeckte schließlich das Fernsehen für sich.



Einen ihrer größten Erfolge feierte sie aber noch einmal 1950 in "Sunset Boulevard" unter der Regie von Billy Wilder - ein Film, der nach wie vor als eines der Meisterwerke des Film Noir gilt. Dabei wurde Gloria Swanson eher als Verlegenheitslösung besetzt. Zuerst wurde das Drehbuch "in einem Anfall von Wahnsinn", wie Wilder später sagte, Mary Pickford angeboten - aber ihr gefiel das Drehbuch nicht, zudem wollte sie zu viel Kontrolle über den Film. Pola Negri schied wegen ihres starken polnischen Akzentes aus. Mae Murray, die teilweise sogar als Inspiration für die Figur der Norma Desmond im Film gedient hatte, war psychisch nicht stabil genug, die Dreharbeiten zu absolvieren. Und Mae West... nun, sie lehnte mit der Begründung ab, mit Mitte 50 zu jung zu sein, um einen ehemaligen Stummfilmstar zu spielen - ganz, wie dies einer Mae West gebührt.
Mae Wests Absage soll allerdings zu einer entscheidenden Umgestaltung der Norma Desmond geführt haben, und aus einem lebensfrohen Charakter entwickelte sich zunehmend eine traurig-tragische Figur.


Schließlich wurde Gloria Swanson ins Gespräch gebracht - und es stellte sich heraus, dass sie die perfekte Besetzung für die Rolle der Norma Desmond war. Auch sie war ein großer Star in der Stummfilmzeit, danach verblasste ihr Stern sehr schnell - nur akzeptierte Gloria Swanson das Ende ihrer Laufbahn, ganz im Gegensatz zu Norma Desmond, deren Verhängnis es wird...

Übrigens: Nachdem Montgomery Clift nur zwei Wochen vor Drehbeginn für die Rolle des Joe Gillis abgesagt hatte, lehnten die Produzenten des Films den damals 24jährigen Marlon Brando für die Rolle ab, weil er ihnen nicht bekannt genug war... so kanns gehen. Schließlich bekam William Holden die Rolle.




Für Gloria Swanson wurde es tatsächlich die Rolle ihres Lebens - und auch wenn sich heute nur noch wenige für ihre alten Filme interessieren - für "Sunset Boulevard" ("Boulevard der Dämmerung") wird sie unvergessen bleiben.



Für mich ist Gloria Swanson immer wiederkehrende Inspiration, für ihre wundervollen und ausgefallenen Kostüme, ihren eleganten Stil, ihr charaktervolles Gesicht und ihre wunderbare Ausstrahlung.




Sie soll ja sogar teilweise "verantwortlich" für das später so kontroverse Verhältnis von John F. Kennedy zu seiner Sexualität - und seiner Sexsucht - gewesen sein. Es gibt eine Anekdote, nach der der kleine John F. seinen ebenso promiskuitiven Vater an Bord seiner Yacht mit der nackten Gloria Swanson im Arm überrascht haben soll - was den kleinen Jungen so verstörte, dass er Hals über Kopf ins Meer gesprungen sei und gerade noch von seinem Vater gerettet werden konnte...

Und wer "Sunset Boulevard" noch nicht kennt: Unbedingt ansehen! Großartiger Film!

Herzlichst,
Klara