26. Dezember 2011

Nein zu Wolle aus Australien!

Ich hoffe, ihr hattet und habt alle wundervolle Weihnachtstage!
Dennoch muss ich, auch auf die Gefahr hin, euch den Tag zu vermiesen, dringend auf etwas aufmerksam machen, was ich selbst (leider) erst vor kurzem entdeckt habe. Es geht um Wolle, insbesondere Merino, aus Australien, aber auch Neuseeland.
Australien liefert rund 30% des weltweiten Wollbedarfes, vor allem Merinowolle. Die Tiere werden dafür in gigantischen Herden von tausenden Schafen gehalten - was es unmöglich macht, einem Tier individuelle Aufmerksamkeit zu widmen. Bedenkt man die Tatsache, dass erst unlängst bewiesen wurde, dass Schafe - ganz entgegen der ursprünglichen Annahme, sie seien etwas "doof" - sogar rund 100 Gesichter unterscheiden und erkennen können - und auch zu "ihrem" Menschen eine innige Beziehung aufbauen, muss diese Massenhaltung für die sensiblen Tiere immensen Stress bedeuten.
In den besonders heißen Monaten in Australien kollabieren viele Tiere und sterben an Hitzschlag. Besonders hart trifft es insbesondere die Merinoschafe. Diese werden schon so gezüchtet, dass sie eine geradezu übergroße Haut haben (ich muss an diese chinesischen Faltenhunde denken), um die Wollausbeute noch zu steigern. In diese Hautfalten legen nun Fliegen ihre Eier - und die befallenen Schafe werden geradezu bei lebendigem Leib von den Maden gefressen...

Foto: Peta

Um dies einzudämmen, wird das sogenannte Mulesing (oder auch Mulesierung) nach John W.H. Mules praktiziert. Dazu werden die Schafe auf den Rücken geworfen und in eine Metallvorrichtung gespannt, dann werden OHNE Betäubung große Fleischstücke rund um den Schwanz einfach weggeschnitten (mit Scheren, die mich an Garten- oder Rosenscheren erinnern), in der Regel auch gleich noch der Schwanz kupiert und die Schafe dann mit offenen Wunden wieder sich selbst überlassen. Das durch diese Prozedur entstehende Narbengewebe soll den Befall mit Fliegenmaden verhindern oder zumindest eindämmen.


Dank weltweiter Proteste sollte dieses Verfahren Ende 2010 verboten werden - die australische Wollindustrie hat diesen Termin jedoch abgesagt und keinen neuen angesetzt. Dabei gibt es andere einfache Methoden wie das regelmäßige Scheren der Schafe am Hinterteil. Ganz davon abgesehen, dass einfach die Tatsache, die Tiere aus Profitgier so zu züchten, dass dieses Problem überhaupt auftritt, schon die Wurzel des Übels ist...
In Neuseeland legte sich die Merino-Industrie mittlerweile ein freiwilliges Verbot des Mulesing auf, an das sich aber nicht alle Farmer halten.
Was zählt ist mal wieder nur der Profit - und "Mulesing" ist angeblich schlicht die "wirtschaftlichste" Methode - auch unter der Berücksichtigung, dass eben auch einige Schafe an Infektionen der offenen Wunden sterben... und gerade diese offenen Wunden werden wiederum oft gerade von Fliegen befallen, noch ehe sie abheilen können.



Zusätzlich werden die männlichen Lämmer in der 2. bis 8. Lebenswoche kastriert - natürlich auch ohne Betäubung - indem man einfach die Hoden rausschneidet oder sie mit Gummiringen abbindet - eine der schmerzhaftesten Prozeduren der Kastration überhaupt. Hunderte Lämmer sterben jährlich noch bevor sie 8 Wochen alt werden - an Hunger, Vernachlässigung, Krankheiten...



Doch mit den Torturen als "Wollschaf" ist es nicht genug. Auch die Schafe werden älter und irgendwann "produzieren" sie eben auch weniger Wolle. Also werden die "alten" Schafe aussortiert und auf riesige Frachtschiffe verladen und in den nahen Osten verschifft.
Das "stolze Flaggschiff", die "Becrux", sollte angeblich das sicherste Schiff mit höchsten Standards für die mit ihr transportierten lebenden Tiere sein - doch schon bei ihrer Jungfernfahrt starben mind. 880 Rinder und 1400 Schafe bei der Überfahrt... (von fast 2000 Rindern und 60.000 (!) Schafen)

 Mehrere Stockwerke nur Schafe, Schafe, Schafe... sie stehen dicht an dicht, können sich kaum rühren, stehen in ihrem eigenen Mist und Dreck, und es heißt, man könne diese Frachter auf See schon riechen, ehe man sie sieht. Sie haben kaum Zugang zu Futter und Wasser, sind der Witterung nahezu schutzlos ausgeliefert, viele werden erdrückt oder zu Tode getrampelt oder sie bleiben im Dreck stecken und ersticken.
Viele Tiere überleben diese wochenlange Fahrt nicht und werden einfach ins Meer geworfen. Genauso verfährt man mit kranken oder geschwächten Tieren - diese landen lebendig im Meer und werden von Haien zerrissen.


Kommen die Schafe dann an ihrem Bestimmungsort an, erwartet sie noch eine letzte Tortur: Die Schafe werden zu Massen in Schlachthöfe getrieben, wo den gestressten und völlig verängstigten Tieren einfach die Kehlen aufgeschnitten werden - die anderen Schafe dürfen dabei zusehen. Und noch während die Tiere langsam verbluten, beginnt man, sie zu zerlegen - noch immer bei Bewußtsein!



Das alles unterstützt Du durch den Kauf australischer Wolle oder Produkten, die daraus hergestellt sind, insbesondere Merinowolle.
Mir ist seit einiger Zeit aufgefallen, dass insbesondere bei "handmade products" eine vermehrte Nachfrage nach besonders "edlen" Materialien wie Seide, Kashmir und eben auch Merino besteht. Merino wohin man blickt. Gerade kleine Unternehmen sind oft darauf angewiesen, ihr Material günstig zu beziehen - und so ist anzunehmen, dass sehr viel australische Merinowolle verarbeitet wird. Der Rest der weltweiten Produktion stammt überwiegend aus China und Russland - es sei dahingestellt, ob es diesen Schafen sehr viel besser ergeht...
Trotz allem gewünschten Luxus und hochwertigen Materials sollte aber die eigene Einstellung zum Konsum permanent überdacht werden - ist es erforderlich, unbedingt Merino zu tragen? Mit dem Wissen, wie mit den Tieren, die diese schöne weiche Wolle liefern, umgegangen wird?
Wolle ist ein wunderbares Material, isoliert gegen Kälte und Wärme gleichermaßen, ist natürlich, weich und angenehm auf der Haut. Aber um welchen Preis?

Es gibt zahlreiche Alternativen: Es gibt viele moderne Kunstfasern, die ähnlich gute Eigenschaften und Tragequalität haben, auch wenn ihnen das "Luxus"-Siegel fehlt. Wenn es Wolle, insbesondere Merino, sein soll, sollte man unbedingt darauf achten, woher die Wolle stammt. Mittlerweile haben auch einige große Hersteller von Bekleidung reagiert und verzichten demonstrativ auf australische Wolle. Und Du als Verbraucher hast die Möglichkeit, Dich zu entscheiden. Nicht nur bei Wolle, sensibilisiere Dich für alle Bereiche. Informiere Dich - und gib diese Informationen weiter!

Und: Ich meine, insbesondere zu "handmade", egal, ob Du selbst produzierst oder "handmade" kaufst, gehört unbedingt auch soziale Verantwortung. Darum lieben wir "handmade", weil es individuelle Produkte sind, die hierzulande unter transparenten Arbeitsbedingungen hergestellt sind. Darum verzichten wir auf Massenware.
Das sollte aber schon bei den verwendeten Materialien beginnen...

Herzlichst,
Klara


Das Video ist wirklich schwer verdaulich! Ganz ehrlich: Ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, und mir war übel...

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